Archiv für Mai 2014

30
Mai
14

Richtung WM

Richtung WM trampeln die Rinder
über die Körper getöteter Kinder,
weil das Blut in den Favelas fließt –
man für’s Spektakel sauber schießt.

Für Brot und Spiele totgetrubelt
und vom 12. Mann unter-gejubelt.

Richtung WM strampeln in Katar
die Bauarbeiter für den Superstar,
während sie auf Baustellen sterben –
die anderen „just do it“ werben.

Für Brot und Spiele totgetrubelt
und vom 12. Mann unter-gejubelt.

 

27
Mai
14

Frei wie ein Vogel (Heimat? Los!)

Manch einer glaubt, die Vögel fliehen
vor dem Winter ohne Pause.
Wahr ist jedoch, die Vögel ziehen
von zu Hause bloß nach Hause,

weil sie sich in die Lüfte schwingen,
bevor Eis auf Kronen thront,
um dort ein Heimatlied zu bringen,
wo immer auch der Sommer wohnt.

22
Mai
14

Kämpferherzen

Wo Schläge aus Herzen hüpfen,
Samen harten Boden sprengen,
wo Bilder aus Rahmen schlüpfen,
wachsend hin zur Sonne drängen –

wo Momente fördernd zu Tag
das Leben in die Leere füllen,
was gestern noch begraben lag
durch Gedankenkraft enthüllen –

wo Traurigkeit nur guter Mist
und Tränen bloß begießen,
wo pur das Leben Dünger ist,
Träume in den Himmel schießen –

wo Menschen Herzblut schwitzen,
die Klingen kreuzend mit der Norm,
den kalten Stahl zur Glut erhitzen,
die durch Finger fließt in Form –

wo Soldaten, treu ergeben
Lieder bloß, nicht Tode bringen,
wo Kämpfer sich zum Kampf erheben
und Waffen so zum Schweigen singen –

dort sieht man sie von Muse naschen
und im Herzblutvergießen
von sich selber reingewaschen
durch Schlachtfelder zum Grunde fließen.

 

 

19
Mai
14

Berechnung?

Berechnung

Es wissen nicht bloß große Kenner,
wer Ergebnisse aus Brüchen zieht,
braucht zum Rechnen einen Nenner –
was der Zähler wohl gern übersieht,

wenn er sich in Beziehung setzt
und glaubt, dass er selbst größer ist,
wenn er berechnend Messer wetzt
und sich höchsten Wert beimisst,

wenn er vor Kommas Nullen setzt.
Das du abhängig vom Teiler bist –
damit’s Ergebnis zeigt, grob geschätzt,
auf was man unter’m Strich aus ist –

das fällt kaum auf, beim Zeichen hetzen,
weil wir alle hier zum Rest gereichen,
Striche ziehen, Grenzen setzen,
um kürzend ganz bequem zu streichen.

Ach, was wäre diese Welt nicht reich,
teilte man sich mit ergebnis offen –
wären unter’m Strich dann alle gleich,
die bei-tragend auf Ergebnis hoffen!

Statt dessen fühlt man sich begehrt,
wenn man am Elend größten Anteil hat –
ganz genauso läuft es wohl verkehrt,
findet Berechnung nur in Brüchen statt.

19
Mai
14

Carpe Diem

Es liegt ein Anfang in allen Dingen,
kein Punkt kann’s Rund‘ vom Ende trennen,
es ist in Wahrheit, wie mit Eheringen:
kannst du es denn nicht selbst erkennen?

War es ein „ja“ von dem du träumtest,
oder Tod, der erst am Ende scheidet –
als du gegen Zweifel dich aufbäumtest,
das auf ewig dich die Einsicht meidet?

Spürst du nicht den Rat dich schlagen,
wenn sie verständnisvoll Hände reichen?
Du fragst und fragst, es bleiben Fragen –
jede Antwort lautet: Unter Gleichen!

Sie ging nicht mal von dir nach dort,
nur, wie du, der Zukunft angesichts,
geradeaus den Weg von hier nach fort,
im Hier und Heute weg vom Nichts.

Nicht umsonst merkt man erst viel zu spät,
wenn sie umsonst auf’s Auto sparen,
das es im Leben hier um nichts mehr geht,
seit ihre Ziele nur noch Ferne waren.

Seit deine Blicke in die Ferne schweiften,
hab ich’s wie’s kam schon kommen sehen –
sie enden, wo einst Träume streiften;
du bist und bleibst dabei, nachzugehen!

Deshalb reden wir längst, hier im Stillen,
über einen Ort zum Verweilen,
weil ich nichts hab, außer Willen,
weil wir sind, wo wir Gedanken teilen,

sitz ich hier und bin am Machen,
von dem ich hofft‘, es könnt verrauchen –
siehst du mich für dich darin Lachen?
Ich hofft‘, ich müsst‘ es nie gebrauchen,

doch, weißt du: Ich werd bei dir stehen,
denn was hier steht, wird stehen bleiben;
und grinsend dir zur Seite gehen
und ins Ende einen Anfang treiben.

Du kannst mich wenden, kannst mich drehen,
dieses Wort wird dich zum Anfang führen,
selbst wirst du mich einst gehen sehen –
dann bin ich hier, um dich zu berühren.

 

 

 

 

13
Mai
14

papa

warum rufst du nicht einfach
die feuerwehr
schreien die uniformierten gaffer
vom strassenrand
wenn ich durch mein brennendes dach luge
um nach luft zu schnappen
die seien längst da
um brände zu legen
sagte man mir
sie schreien arschloch
ich sage
danke
sie sagen hoffentlich fackelst du ab
ich sage
alles klar
mach ich
und hetze weiter durch den raum
alle geräte aus
ohne strom
wie kann ich mich in dem lärm
bloß überhören
frage ich mich
um mich herum nichts als heizungskälte
dreh auf
denke ich mir
mit mehr messern im rücken
als ein igel dort stacheln hat
zum glück sind sie zu blind um zu sehen
wie lächerlich ich manchmal aussehe wenn ich
die abwehrhaltung einnehme
sie sagen
ich stünde neben mir
das sehe ich selbst
denke ich
und sehe vor mir den knirps

mit seiner viel zu großen mütze
die ihm ins gesicht hängt
mit seiner viel zu großen jacke
in die er dreimal passte
wie er vor’m fernseher steht
und den showmaster anbrüllt
Papa, Papa!
Und wie er springt
und klatscht
und wie er mich ansieht und lacht
und die erde bebt
und ich kann ihn hier nicht
alleine lassen
auch wenn diese tür
überall hinführt
ich suche und suche die fernbedienung
ich kann sie nicht finden
sie ist 
im fernseher
und trotzdem gehe ich anschaffen
hier in der manege
damit ich mir wenigstens 
batterien leisten kann
während ich den knirps verteidige
gegen alles
was da kommen mag
manchmal könnte ich ihn
vor die wand klatschen
diese videos 
immer wieder
diese videos
wie er im kindergarten
alleine seine runden drehte
wie ein kleiner professor die hände am rücken verschränkt
bis sie ihn zum zehnten mal umsonst
auf den traktor setzte
und von da an
lieber im keller einsperrte
diese videos
wie ich ausgebüchst bin
für den mann den ich papa nannte
für seinen geburtstag
mitten am tisch 
vor der ganzen verwandtschaft
die heute noch sagen
ich sei schuld
für zehnmal voll in die fresse am wohnzimmertisch
und dieser knirps
springt
und lacht
und schreit 
da 
da
da
jedesmal wenn er das gute sieht
in ihren augen
und er lacht
und mir geht das herz auf
und die erde bebt
und er weint
und es tut mir so leid
denke ich
weil ich nicht lachen kann
und die erde bebt
und er weint
wenn er sieht
wie die filme enden
und die erde bebt
und er weint
wenn ich ihm sage
er solle sich die filme nicht mehr ansehen dürfen
und die erde bebt
während sie mir mit rat-schlägen
den schädel zertrümmern
und ich 
danke sage 
und das
es mir leid täte
ich halte sie lieber an der kurzen leine
wer weiß
was mir einfällt mit platz für anlauf
nicht das
noch jemand verletzt wird am ende
sie sagen
ich solle nicht soviel saufen
ich sage
mache ich
und das es mir leid täte
obwohl ich den suff so hasse
gründe ich
eine selbsthilfegruppe
die alkonymen anoniker
ich und siebzehn typen
die aussehen
wie ich
die klingen
wie ich
und denen es leid tut
das man sie für menschen hält die sie nicht sind
ich kann mich ändern denke ich
mache musik auf die ohren
höre dich
papapapa
und lasse die puppen tanzen
und alles
einfach alles funktioniert
wenn ich die puppen tanzen lasse
wenn wir das kind an die hand nehmen
und vom fernseher wegholen
papapapa
sogar die flammen am dach
hören nur auf mein kommando
wenn wir die puppen tanzen lassen

bis wir wieder vor dieser tür stehen
dem ausweg
der überall hinführen könnte
ich sehe 
meine angst
in deinen augen
kannst du es nicht hören
papapapa
ich habe angst
du brichst ihm das herz
das testbild ist nur einen mausklick entfernt
auch wenn ich dir vertraue
ich habe angst um ihn
und das telefon klingelt
und wir stürmen 
los
weil wir so sicher sind
du bist es
doch ich traue mich nicht
den hörer abzunehmen
weil mir einfällt
ich bin der einzige verdammte idiot
der kein telefon besitzt
weil ich mir die rechnung
nicht leisten konnte
ohne gründe die mir eingefallen wären
aus denen du mich anrufen solltest

und wir stehen
vor dieser tür
und sehen uns nirgendwo
mitten in die augen
und treten uns
für den ersten schritt
den wieder keiner ging
und unter unseren füßen
bebt
die ganze
verdammte erde

12
Mai
14

Vom halb gefüllten Fass ohne Boden

Dieses Leben ist seit jeher ein Fass
ohne Boden, Dank all dem Hass –
in das manche Menschen Tränen weinen,
die darin verloren scheinen.
Doch die Zeit lässt sie in Runden fließen,
Dürstende mit Nektar gießen,
bis sie sich mit im Fass befinden
und als Trän‘ darin verschwinden –
um zu vergeh’n zu purem Leben,
dass dem nächsten lehrt, sich hinzugeben.
So wird ein jeder Schritt, scheint er ins Nichts,
Teil des drückenden Gewichts,
wenn er hinein über die Klinge springt,
dass ein Fass zum Bersten bringt –
wenn am Himmel dem blutroten Mond
Gezeitenwechsel inne wohnt.

Wenn der Mensch am Lebensstrand
bis zum Horizont nichts sieht als Sand,
wenn nach Kriegen, Geld und Fürsten,
die Verbliebenen nach Leben dürsten,
wird ein Sehnsuchtsfunke überspringen –
wird er das Fass zum Sprengen bringen.
Aus ihm entspringen werden Wellen,
die ans brache Ufer schnellen,
in derer puren Lebensflut
erlischt die letzte Todesglut –
totes Land wird bunt erblühen,
tot geglaubtes wird vor Leben sprühen –
kommt der Tag und kommt die Zeit,
wenn vergehend Leben „Leben!“ schreit,
wird entfesselnd aus den Fesseln drängen,
was sich aufgestaut, um Fesseln zu sprengen
und die Letzten werden die Ersten sein –
fahren sie friedlich erste Ernten ein.

 




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