Archiv für Juli 2019

27
Jul
19

uncle sem (4)

Arbeitshose, Werkzeugkasten
so trat ich an,
sortierte meine Altlasten,
sortierte sie und dann
war die Bude weg.
Drei Meter über Dach
Dreck, Dreck, Dreck,
so lebte, ach
Maulwurf Paulwurf, undercover
zwischen Regenwürmern,
born in between to suffer
mit gefallnen Himmerlsstürmern.
Sie teilten Pillen,
teilten sich,
teilten Willen,
teilten mich.
Ein Haufen fragte leise
wer wir wohl sind;
Regenwurmscheiße!
Bist du blind?
Au Backe.
Alter! Kacke!
Verdaut, zerteilt!
Lass schlafen! Es eilt!
Aufgestanden und
weiter, weiter, weiter
übelst finster, dunkelbunt
traurig und heiter,
Blick in die Mündung.
An der Wand Hirn, Herz, Blut.
Ist halt so, die Begründung
als Oma weint,
wird schon gehen,
wird verstehen,
wird schon sehen,
wird schon
wie mir heut noch scheint.

Verstand verlor’n, vergessen
sprach mein Herz,
dummerweise war’s gegessen
unverdauter Schmerz
von den Lappen zu den Ohren
durchgekaut, unerhört.
Ich stehe auf, gebe Sporen,
versprochen, geschwört
vorwärts, vorwärts, volle Lotte
häng ich nämlich
an der Angel der Karotte
die im Sattel sitzt
während einer Blut und Wasser schwitzt
und der Gaul, derart dämlich
rast natürlich an die Wand.
Sie lachen, lachen. Ich weine
in die Faust, in die Hand
und meine
Spinnennetz, in der Ecke?
Schuppen, Laubbläser,
Stromschläge, kaputte Gläser
mit den Füßen von der Decke
erzähle ich der Spinne
welche hält inne
vom Gefühl, Gangster, Rocker,
sie reicht mir beim Erhängen
einen Schraubenzieher
ihn reinzudrängen,
Schraube locker.
Abrissbirne. Barhocker.
Auf der Theke letzte Tropfen
wischt du mir gerne aus
mit dem Tuch, das du kauftest
um mir das Maul zu stopfen,
merkst du erst zu Haus
beim gähnen:
zu Boden fallen
beim Auswringen
vor allen Dingen
deine Tränen
willst sie krallen,
fasst sie nicht.
Wie raus ich kam?
Weil ich ernst dich nahm!
Und du? Du? Du bist ebenfalls
nicht wirklich dicht!

Spürst du das Leben?
Spürst du das Beben?
Augen zu, Läden runter!
Und der Riese stapft munter
dreihundert Jahre alt
die Straßen rauf und runter,
Augen zu und bald
hat ein Kind, dafür geboren, bald
diesen Fall geregelt.
Entsprechend gepegelt
greif ich nach der Sonne,
streu‘ durch Schorn und Stein
Strahlen, Wonne,
halt‘ die Luft an! Lass es sein,
was ich mit eignen Händen
nur für dich erbaut,
die Küsse von den Wänden
die sich kein Mensch zu geben traut,
aus dem Wasserhahn
die Wildwasserbahn,
im Garten die Blumenfelder,
Oasen, Regenwälder,
in den Ausgüssen
greifen Hände nach dir, tschüssen,
die Sofakissen
versprühen vermissen,
dunkelblonde Gardinen
wiegen im Wind, den zu hassen sie einst schienen.

Ich bin der erste durche Dichter!
Letzter meiner Art!
Fackel ab die Lichter!
Wo ihr angeblich
selbst nie wart
wird es geregegelt,
entsprechend gepegelt
leg ich ab
mit Allem, was ich hab.
In den sichren Harfen
liegt ein altes Schiff,
zwischen alten Noten
liegt ein schönes Riff
zum untertauchen,
sieh mich winken,
lass uns sinken,
eine Rauchen
Milliarden Tonnen Götterasche
versenken wir im Meer,
erstickte Flammen in der Tasche
schlagen keine Wellen, wär
ich geboren für das Land
würden hier wohl unsre Kinder groß.
Lass sie dort, die Hand,
lass sie dort, in deinem Schoß
in den sichren Harfen
liegt ein altes Schiff.
Zwischen alten Noten
liegt ein schönes Riff
zum untertauchen.
Lass uns eine Letzte rauchen.

 

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27
Jul
19

moderne lyrik (1)

Ihr bedichtet die Rose
doch überseht
das Beet
in dem sie steht,
verworfen und lose
in einer Pfanddose
streckt sie nach vorn
entschlossen den Dorn,
aus der Tonne
– die keinem was tut –
mit Entschlossenheit, Wut
Richtung Sonne
will sie blühen,
will sie wachsen,
Einsicht soll reifen
um tropfend Herzblut
dem Leben
wider zu geben.
Hast du den Mut
lässt ihr zukommen
durch einmal begreifen
was wir ihm genommen?

23
Jul
19

uncle sem (5)

Ich begann zu schreiben
hob des Lebens Tuch
im Gefühl, es wird so bleiben
begab ich mich ans Buch,
dessen unentdeckte Seiten
sich füllten von allein,
ich musst nur vorwärts schreiten,
Teil vom Inhalt sein.

Doch zwischen diesen Zeilen
raucht offensichtlich Todesglut!
Die scheinbar brennt seit Weilen.
Es fiel ein Tropfen Blut
ins Weiße aus den Augen,
über Rändern, dort
verlor ich meinen Glauben
Was fest stand, es war fort,

Seiten die noch unbeschrieben
stellten sich mir vor.
Menschen sterben, ihre Lieben.
Ich las sie und verlor
das Wissen um ein gutes Ende,
weil Ende dort nur stand
sah ich in leere Hände
die hielten, was ich vor nicht fand,

es blätterten die Hände
zum Anfang, ich verschwand,
die Leere sprach dort Bände
wo mein Name sich befand.
Mir blieb nur ein Vermissen,
als ob da noch was war.
„Eine Seite, sie ist ausgerissen!“,
so genau wurd es mir klar

als ins Leben ihre Noten
holten mich zurück,
aus dem Leben zu den Toten
verschwind ich Stück für Stück,
muss zu ihnen mich bewegen,
im dunklen freien Raum,
will ich mich schlafen legen
und lebe frei im Traum

und die Seelenpomeranzen
mit Insektenex im Hirn
pflegen ihre Zimmerpflanzen
und runzeln ihre Stirn,
und die Seelenpomeranzen
gehen einen Schritt,
wenn ihre Hirne tanzen
freudig erst noch mit

und die Seelenpomeranzen,
sie fallen dabei hin.
Viel zu steif zum tanzen.
Das erweckt den Sinn
und die Seelenpomeranzen
schalten ein das Licht.
Mein Fall ist ihre Chancen;
finden werden sie mich nicht –

ich komme an, seit ich sehe,
dass ich ankomm, weil wer ging,
ich kam an und gehe,
komme an, steh und sing
über Seelenqualen, Hirngewittern
schau ich euch beim tanzen zu
mit Sängern, Dichtern, echten Spittern
geb ich trotzdem keine Ruh,

nur ein Fenster lass ich offen
und flüstert’s dir der Wind
wirst du’s glauben, will ich hoffen:
Wir waren hier! Und sind.

21
Jul
19

es ist okay, baby

 

Kannst du es noch erinnern?
Das Gefühl, das Wort.
Das hier, unter Gewinnern,
ankam und kam fort.
Weißt du, was es machte?
Vor mir steht ein Kind
das liebevoll an Oma dachte.
Nur ich bin noch so blind.
Zu Hause ist verlassen.
Es blieb ein leerer Raum.
Aus lieben wurde hassen.
Aus Gewissheit schlimmster Traum,

vom Leben auf die Suche
aus der Heimat fort geschickt.
Ich sehe ihn und fluche,
den Bull’n der zarte vierzehn fickt.
Wo Gefühle waren
hat keiner bloß den Schwanz versteckt,
sondern Dummheit und Gebaren
das sich nach Unschuld Lippen leckt.
Irgendwo, da muss es stecken!
So hat das Kind gedacht,
so suchte es nach hellen Ecken
in der dunklen Nacht.

Bei Arschlöchern und Netten,
bei Jung und auch bei alt
in vielen, großen Betten
zwei Matratzen. Und ein Spalt.
Irgendwann ließt du es gehen
und bist ihm nachgejagt,
du konntest es nicht sehen,
bist doch gefolgt, ungefragt
auf kleinen, baren Füßen,
ohne es je einzuholen
bis du hinterher.
Stiehlst nun, was sie dir gestohlen.
Keine Kraft zu jagen mehr.

Ich sehe es im Hafen
wie’s unter Wasser eingedöst.
Mein Schatz, lass es dort schlafen
was frei mal war, losgelöst,
wo Wellen nicht mehr fort spülen
ist das Leben leicht,
wo auf und ab nicht aufwühlen,
wo die Erklärung reicht
dort musst du nicht drum klagen,
dort ist es kalt und seicht
und ich werd es hin tragen
auf einen Grund, wo Fisch nicht laicht,

was wir hatten in den Armen
ließ mich letztlich wissen:
es braucht den Platz im Warmen,
es braucht ein Ruhekissen,
deshalb lasse ich es liegen
was vor uns vor mir lag
und weine so im fliegen
meine Tränen in den Tag,
ich lass sie einfach fließen,
geh aus der Welt, die viel zu leer
um Beton zu gießen.
Im Glauben an ein Blumenmeer.

15
Jul
19

Schwerelos

Jeden Tag sprichst du von Liebe
während deine Stimme schweigt.
Als ob dich etwas triebe
seh ich, wie dein Finger zeigt,
seh ich ein Ergötzen
an einem grellen Licht –
während in kältesten Betonglötzen
das nächste Kind zerbricht.
Ich steh davor, in der Stille.
Tränen, Fesseln, Bett und Pille.
Kein Kindermund, der schreit.
Dunkelheit, gebrochner Wille
und Mensch, der sich’s verzeiht
um Knirpse nicht zu weinen
die nach tausend Jahren Blut
vor’m Leben schon zu sterben scheinen.
Statt ihre Not zu spüren,
zu packen ihren Schmerz,
sie zurück zu uns zu führen –
fasst du dir kein Herz.
Lieben heißt mit ihnen tanzen.
Wir? Packen Scheibenweise Tod
morgens in die Schulranzen.
Verfüttern sie ans Pausenbrot.

Ich seh uns patrouillieren
in Auschwitz durch das Eisentor,
aus Angst vor Offizieren
stell’n wir Helden uns im Unheil vor,
während Knirpse in der Scheiße sitzen
in Todesangst, vollgeschissen,
durch den Henker, aus dem Loch
ließen sie bis heute wissen:
seht her, ich lebe, lebe, lebe noch!
Sie weinen bitterlich!
Siehst du ihre Augen blitzen?
Sie bitten uns, bitten dich
dem schlimmsten aller Leben
durch den Dreck, den Gestank
irgend einen Sinn zu geben.
Eurer holden Lieb‘ sei Dank
öffnet ihr die Herzen
und tut es eben nicht,
ihr macht aus ihren Schmerzen
im Handumdrehen Licht.
Hörst du sie nicht schreien?
Du siehst es nicht das Glück,
wenn wir sie befreien
auf dem Weg zu uns zurück?
Ich weiß, dies Runterbrennen
ja, es ist kein Fest;
ich lernte mich so kennen.
Das hier ist der Rest,

weshalb ich dich verstehe,
verstehe dich echt gut,
doch du siehst nicht, was ich sehe,
habe einmal doch den Mut –
komm zu mir, ans Fenster!
Riechst du deinen Duft
im Reigen der Gespenster?
Dort im Dunkeln, dicker Luft
wo Kräfte uns verloren gingen –
ich weiß, du spürst dich da
und ich werde springen,
und ich komm dir nah,
ohne Angst vor’m Fallen,
ohne Angst vor’m Aufknallen
weil unten halt kein Boden ist,
seh ich Hände ineinander Krallen,
hör ich Liebe durch die Gassen schallen
schwerelos, wie du’s dann bist.

15
Jul
19

Sonnenklar

Ach Verstand, du sollst kapieren
so hin- und hergerissen:
ich kann dich nur verlieren.
Ich kann dich nicht vermissen.
Ach Verstand, du sollst es lassen!
Kannst du es denn echt nicht fassen?
Ich werde dich nicht hier
im Arme sicher wiegen,
ob mit nun oder ohne mir:
eines Tages wirst du fliegen!
Komm Verstand, mach mich doch nieder,
bis zum Tag an dem ich gehe!
Blödmann, du kommst wieder!
Komm, Verstand! Verstehe!

09
Jul
19

Wie es ist

Am Wasserhahn
Wasserflecken,
Wollmäuse
in hellen Ecken.

Ich denk, wie's war,
es wird kalt,
denn mir wird klar:
Oma ist alt.



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Bedeutet im Klartext: Teilen? Jederzeit! Zerteilen? Kein Stück! Alles, was hier an Texten erscheint, ist geschrieben ohne kommerziellen Hintergrund und in diesem soll es auch bleiben.
Und jedes Wort, das in meinem Namen erscheint, und sei es der Nick-Name, soll damit auch möglichst unter diesem weitergegeben werden, so, wie ich auch mit den Texten anderer verfahre.

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