12
Jun
21

uncle sem

Von den tausend guten Gründen,
sich diese Welt hier zu erklären,
gibt’s keine, die darin bestünden,
es den andren zu erschweren,
sich der Wirklichkeit zu erwehren
und das ein Leben lang begründen.
Die Wahrheit ist ein Überfall,
in Langsamkeit geht Überschall,
in Stille hörst du den Urknall,
Wirklichkeit wirkt wirklich überall,
unsre Wahrheit war fast ausgerottet,
lebte ausgekugelt eingemottet.

Heute kannst du’s wieder sehen –
er will euch doch nur was erklären!
Sie rennen, trampeln, flehen,
treten, wälzen, heulen, drehen,
den Verstand muss du ernähren,
ihr habt euch euren einverleibt,
es ist der Hunger, der antreibt,
das Wissen ist nicht das, was bleibt –
sind das Worte, die ihr schreibt?
Ihr mit Hämmerchen auf Kupferbeulen,
wir reichen Siebentonnenkeulen,

schon wieder ist wer wo am flennen,
ich pflücke mir von Gräbern Lieder,
ihr müsstet mich doch langsam kennen,
wir können uns doch einfach trennen!
Der nächste Tag, da bin ich wieder,
hab’s eingesehen, ihr seht’s bald ein,
nur Tränen sind noch klar und rein,
manchmal sterb ich, um zu sein,
wenn ich schweigend euer Kind bewein
und selber keins je haben werde,
auf eurer kranken Mutter Erde,

hört ihr Grillen, Unken, Eulen,
wir tauchen in ein Sternenmeer,
hört ihr Nachts die Wölfe heulen,
Mitfingernfresser, Marmorsäulen?
Ihr seid bewaffnet hinterher,
hinter mir, da fällt ein Scbuss,
ich helf ihm auf, steig in den Bus,
was du müsstest ist kein Muss,
vor jedem Anfang ist ein Schluss,
als würd euch der Planet gehören,
will jeder ihn höchstselbst zerstören,

ich will für mich nur ein zu Hause,
möcht eine kleine Angel haben,
mit Mädel, Timon, einer Pause
in unbenutzter Denkerklause
in Ruhe mich am Leben laben,
für sieben Hühner einen Stall,
einen Stift für den Notfall,
kein Genius sein, nur Mensch mit Knall –
Wirklichkeit wirkt wirklich überall,
so leb ich leider niemals abgeschieden.
Was ich will, ist nur mein Frieden.

12
Jun
21

in die tiefe

Was bringt gegelte Reden schwingen,
dein Wort an alle und an jeden,
wenn sie nach Karriere, süß klingen,
sie Aufstiegschancen, Geld einbringen?
Es sind Puppen an goldnen Fäden,

dahinter, da agieren Spieler,
die sich irgendwo gut verstecken
zum Spaße mancher, Leide vieler:
das Spiel wird leider nicht agiler,
wenn alle seinen Ursprung decken.

Da will ich lieber groß gleich sprechen
und höre schon die Wellen rollen,
die Stärke bietet Angriffsflächen,
die Stürme an der Küste brechen,
ich lasse deinen Donner grollen,

ich will Töne, gerade, schiefe,
ich will nicht bloß dein lautes Schweigen,
als ob ich „Widerworte!“ riefe,
sie kommen und sie schluckt, die Tiefe –
will Wege in die deine zeigen.

12
Jun
21

für george stinney jr.

Was yellst du da? Black lives matter?
Ihr weißen, nicht sehr guten Linken?
Ich thinke fast, ihr lasst es better,
i swear, i hit your fettschinken,

ihr habt nicht zu entscheiden,
ob ein Leben zählt, ob nicht!
Was ihr müsstet, wär’s vermeiden
dass ein Freund so von sich spricht,

der Gipfel der Selbstherrlichkeiten.
Ihr spielt euch auf zum Weltgericht,
um jede Schuld gleich abzustreiten.
Sprecht Urteil, wie’s ein Weißer spricht.

Ihr black ones werdet’s lernen müssen!
Es gibt keine Rasse, keine Schicht,
ich würd zur Not dir Füße küssen,
doch das? NENE! DAS SAG ICH NICHT!

Ich sage dir: du wirst mir fehlen!,
ich sage dir: auch meines nicht!
HÖR JETZT AUF, DICH WEG ZU STEHLEN,
ich sag es dir in dein Gesicht,

weil ich dich genauso liebe,
wie jeden andern hier,
weil ohne dich nur weiß noch bliebe.
Hör auf jetzt damit!, sag ich dir,

sie sind komplett abgehoben,
deshalb sind wir beide hier am toben
mit georgiboy am Weg nach oben,
dann gibt es eine reingeschoben,

dann geht’s in die Gosse wieder munter,
wo die Linke hingehört,
die rechte linke kommt im Bogen runter
von der harten Linken hart zerstört;

ihr seid Brüder, ihr seid Schwestern!
Ihr seid schwarz und ich bin weiß,
was intressiert mich euer Wert von gestern?
Ja, genau: nen feuchten Scheiß!

Nächstenliebe? Nie im Leben!
Du lässt bloß zu, dass ihr euch fehlt,
weil sie sich selbst den Wert geben,
wenn your life ohne sie nichts zählt!

You let you say this from this Spinnern?
Ich baue nur auf „mich and you“!
Muss ich sie an euern Wert erinnern?
Gehör ich selber lieber nicht dazu.

12
Jun
21

AN DICH! AN IHN! AN SIE! AN EUCH! AN ALLE!

Nevadi. Weißt du, bei allen Fakten, die du bedenkst, die alle bedenken, vergessen alle genau in dem Moment, in dem sie im Prinzip die Aussage treffen, die du gerade triffst. GENAU DIE GLEICHE, den einen, entscheidenden, wichtigsten Fakt. Wir alle betrachten Fakten faktisch durch eine Brille, wir alle sind Produkt einer Geschichte, die in den 2000 Jahren, die sie jetzt läuft, die für alle gleich und für jeden verschieden gelaufen ist. Das, was wir als Menschen alle gemein haben, jeder einzelne mit jedem anderen, ist, dass wir alle verschieden sind. Wir sind gleich, alle, weil es keine zwei Gleichen von uns gibt. Selbst Zwillinge sind ebenso gleich wie grundverschieden. Und selbst siamesische Zwillinge sind es.
Und damit ist eben Fakt, dass jeder Fakt, den du den Menschen vorlegst, in dem Moment, in dem er um die Welt geht, zu 8 Milliarden Fakten geworden sein wird, wenn er denn jeden erreicht haben sollte am Ende. Und jeder der Menschen heutzutage glaubt, er sähe, was alle sehen müssten, damit sie verstünden, was er versteht. Die Ironie dabei ist: genau das tun sie eben. Und indem sie alle es Wahrheit nennen, was sie sehen, entziehen sie sich der Möglichkeit, wenigstens Herr ihrer eigenen Wirklichkeit zu werden.
Die Wahrheit ist im Prinzip ein Überweisen, dass sich nur in Bruchstücken ganzheitlich zu zeigen vermag. Die sich erschließen kann, wenn du akzeptierst, dass du sie weder sehen, nur beherrschen kannst. Wenn du deine, diese, eine Wirklichkeit eines jeden akzeptierst, dann wahrst du dir die Chance, die Wahrheit einzufangen in den Moment, in denen sie sich entscheidet, dir nahe zu kommen und gehen.
Weißt du, wie viele Probleme es gibt auf der Welt? Wie viele von den tausenden wirkliche reale sind? Es ist eins, genau ein einziges. Dass sich hinter tausenden von Bezeichnungen, die wir selbst geboren und Fakten getauft haben.

Wir alle sind Kinder eines Krieges, der unser eigentliches Problem ist, und unser größtes, weil er vor der Zeit der Aufzeichnugnen statt fand, oder vielleicht auch alle Kinder eines Mordes – unerheblich (wobei zu besprechen wäre, wie es dazu kam, aber für die Lösung ebenfalls – unerheblich). Eine Keule hat einen anderen niedergestreckt, es floß erstes Blut, es fiel ein erstes Opfer, es marschierte(n) der (die) erste(n) Täter. Die Blut fließen, Opfer fallen, Täter marschieren ließen. So lange bis das Problem so groß war, dass es sich in einem quasi evolutionären Akt den Kapitalismus geschaffen hat. Der in seinem Wesen genau die Eigenschaften transportiert, die wiederum ihn geschaffen haben.
Er hat sich also wiederum auf den Weg gemacht um die Welt und jede Kluft, die er zwischenmenschlich aufgreifen konnte, zu einer Wunde aufgebrochen, zwischen Rassen, Geschlechtern, Religionen, Starken und Schwachen – er hat sich überall DIE SCHWÄCHE DER VERMEINTLICH STARKEN zu Nutze gemacht, um in seinem Sinne weiter existieren zu können. Sie wiederum haben ihn sich zu Nutze gemacht, um in dem Sinn weiter existieren zu können, von dem sie glaubten, es sei ihrer.
Und so ist der Täter, der den ersten Erschlug, 45 in Berlin rein, zwei Plastiktüten in der Hand (die’s noch nicht gab damals, eigentlich – aber es war seiner Zeit eben voraus, immer) einem leichten Grinsen im Gesicht. Und das braune Biest verließ Berlin, die Tüten voll mit 60 Millionen Leichen, den Leib bepackt mit Muskeln.
Der Knüppel, der den ersten henkte, ist durch das Blut in den Boden gesickert, erwachsen ist, in einer schnurgerade, linearen Entwicklung ein, na? Genau! Atombombenbaum.

Und die Bestie? Verschwunden. Einfach weg. Und jeder sieht sich um und jeder sieht, das Problem ist überall. Und doch ist es nirgendwo, weil jeder glaubt, dass er das Problem erkannt hätte, weil er es eben, wie jeder andere, überall sieht. Und jeder erklärt allen eine Welt in seiner eigenen Sprache, und keiner kann den eigenen verstehen, paradoxerweise weil, weil es immer die GANZ GENAU GLEICHE Geschichte ist, wenn du einfach den einen Fakt, den ich eben genannt habe, mit einbeziehst; dann wirst du sehen, dass jeder einzelne ihn ausklammert, den Fakt, dass er selber der ist, der die Fakten schafft – was er als Problem allen andern vorwirft ist er selbst, in dem Moment, in dem er es tut.
Womit wir es eingekreist hätten, das Biest. Es ist in eurem Rücken, es hat jeden einzelnen auf dem Schoss, es singt euch Schlaflieder, in die Worte, die euren, während ihr sprecht. Während ihr euch den Verstand stylt zur modischen Prachterscheinung scheitelt es euch in aller Seelenruhe die Haare zum Helm. Und ihr werdet einschlafen, wenn ihr euch nicht wecken lasst und ihr werdet ihr aufwachen in eurem schlimmsten Alptraum, der so tief liegt, der so finster ist, dass er ungeträumt bleiben wird, bis Morgen.
Jeder Versuch, sich zu zwicken, wird ein Menschenleben kosten. Jeder Versuch wieder einzuschlafen ein Weiteres. Die Menschen werden aufwachen in einer Welt, die in ihrer Abartigkeit so perfekt ist, dass sie sich nie erklären können werden, wie sie jemals dort landen konnten, Die Welt muss nicht mehr belehrt werden, wie jeder glaubt. Sie ist perfekt, sie ist vollkommen, sie funktioniert perfekt – jeder ist genau da, wo er sein muss und tut, was er soll.
Das Problem ist heimgekehrt in jeden einzelnen, jeder, jeder, jeder IST das Problem. Manche größer, manche kleiner, je nachdem, wie es die Menschen braucht.
Weißt du, was es neben der Todesgefahr noch transportiert hat, in euren Schoss, während es darauf sitzt. Die Lösung. Denn jetzt, genau jetzt, in dem jeder ist, was er eigentlich nicht sein soltte, niemals sein wollte. Ist er genau der, der er ganz am Anfang schon war: er ist einer unter allen, die genauso sind wie er, weil sie nicht sein könnten wie er, selbst wenn sie es wollten.

Erkennt das, erkennt das und der Schleier wird fallen, erkennt das und ihr werdet euch erkennen, wo ihr euch erkennen könntet, inden anderen und ihr werdet anfangen zu kämpfen, füreinander. Und ihr werdet gewinnen, schon nach den ersten Metern wird es leicht fallen, wenn die Menschen einfach nur erkennen, wie mächtig sie sind, wie wenig es bedeutet, zu wissen. Und wie viel es bedeuten kann, zu werden.
All die Lügen, wie waren wahr, die ganze Zeit. Sie haben gesagt, ihr habt geglaubt, dass ihr aus der Entfernung, mit Abstand zu den Dingen sehen könnt, erklären könnt, ihr werdet mit diesem Irrtum in die Augen der anderen eingehen, ihr werdet durch ihre Geschichte marschieren, die eure ist, an jeder Ecke werdet ihr den Verlauf ihrer Geschichte erkennen, die eure ist und in jedem Schmerz den ihr findet, werdet ihr den spüren, der eigentlich der eure ist.
Und so ist diese Wahrheit entstanden, dieser Teil der Wahrheit. Durch die Augen von Menschen, die ich liebe. Mit dem Schmerz, den sie verspüren. Von heute bis zum Anfang, mit mir durch sie, mit ihnen durch mich, hin, her, vor zurück. So lange, bis es keine Geschichten mehr gab, nur noch eine Geschichte. So lange, bis es keine Schmerzen mehr gab, sondern nur noch diesen einen, riesigen, unvorstellbaren Schmerz der hier jedem einzelnen zu eigen ist, irgendwo in ihm drin.
Und hier steht es nun. Weil ich, wie ich sagte, nur rede, wenn ich persönlich reden kann. Irgendwie hast du’s geschafft, mir das Gefühl zu geben. Ich habe mich vor dir, euch auf die Knie geworfen, ich kann gar nicht anders. Jeder Mensch eine neue Chance, jeder Mensch ein Aufbäumen, jeder Mensch ein Anfang mit einem Ende und der Fresse im Dreck. Und einem Aufstehen, und genau das, genau das. Macht Muckis, nennt sich lernen.

Weißt du, was der eine Fakt ist, den wir immer schaffen, unabhängig von der Betrachtung des Falschen und Richtigen? Was die Wahrheit offenbart, immer? Was wir sagen, in der Art, wie wir es sagen. Die Sprache ist ein Faktum. Nicht verstanden werden wollen, heißt: nicht verstanden werden können.
Diese Sprache hier ist eine Waffe. Diese Sprache hier ist nicht Inhalt mit Ausdruck, diese Sprache ist nicht Ausdruck mit Inhalt. Diese Sprache ist Inhalt und Ausdruck, in jedem einzelnen Wort – das seid ihr. Das bin ich.

Das hier ist, zweifelsohne: ein Meisterwerk. Nicht im Sinne von großer Kunst. Sondern im Sinne von: Werk eines Meisters. Weißt du, wer dieser Meister ist: ein niemand. Weißt du, was er hat: nichts. Nichts, außer, keine Ahnung, 30000 Euro Schulden, irgendwo, einen Haufen Dreck, in dem er jetzt gerade sitzt und einem Drogenproblem, das in seinen Ausmaßen für jeden einzelnen von euch unvorstellbar ist.
Ich kann nicht deswegen. Ich kann deshalb. Ich habe nichts, nichts außer euch und mir und unseren Schmerzen. In dem Moment, als ich wusste, dass das Problem für mich begreifbar ist, dass ich es vielleich sogar bewältigen kann.War ich verloren, verloren an uns. Ich werde entweder leben oder sterben. Bis dahin lebe ich, in dem ich sterbe. Jeden Tag ein bisschen. Ich kann nicht anders.

Ich brauche jeden einzelnen Menschen auf der Welt mehr, als er mich je gebraucht hätte. Diese Sprache hier, die gehört deshalb zu jedem, die will zu jedem und die kann zu jedem.

Und gekommen ist sie zu dir, jetzt gerade. Wir brauchen über das „was?“ nicht reden, nicht über das „wie?“ und schon gar nicht über das „warum?“. Diese Sprache ist hier, weil sie weiß, dass du es kannst, wenn du denn willst.
Diese Sprache braucht dich, kennt dich und liebt dich. Sie ist so außergewöhnlich wie jeder Mensch selbst. Die Gemeinsamkeit, die sie mit jedem hat, liegt in den Unterschieden, die sie verbindet.

Diese Sprache sagt: steh auf! und: mach was draus! Und sie wird wissen, wovon sie redet. Es ist deine, es ist eure Sprache.

Also: Vamanos!, würde ich sagen. Und: die Wichser werden uns schon noch kennen lernen – wenn ihr es selbst erstmal tut.

Peace

12
Jun
21

Live matters.

Thread, wenn ihr denn mögt – weil ich aus gegebenem, offensichtlichem Anlass jetzt einfach Fragen muss, ganz unironisch: ist es rassistisch, Jan Fleischhauer dafür zu verachten, dass er Kapital aus den (Überlebens)Kämpfen anderer Menschen schlägt? Was er ständig tut? Ist es rassistisch ihn dafür zu verachten, dass er im Grunde genommen alles, alles was er tut, nur zum Selbstzweck tut und auf Kosten anderer (hin und wieder mehr oder minder auch auf Kost meiner)? So wie es der Konservatismus immer tut, nur um sich selbst zu rechtfertigen? Nichts anderes habe ich sagen wollen. Das einzige, was ich bisher je zu „Black Lives Matter“ gefühlt habe? Dass ich keine Meinung zu haben habe. Ich habe das Gefühl, alleine „Black Lives Matter“ zu denken, wäre als nicht Betroffener rassistisch – weil es eine Selbstverständlichkeit zu sein hat und die Gründe, aus denen ich es mir trotzdem vorsagen würde, die lägen dann wohl eher bei mir. Das genau war das Einzige, was ich je zu „BLM“ sagte.
Was erzählst du mir vom Allein-, vom Verlassensein? Du bist 100000! Wer schonmal vor dem Spiegel stand, im Gefühl schlimm krank zu sein und unversichterweise nicht zum Arzt konnte und sich so selber fragen musste, ob das vielleicht genau das ist, was man verdient hat, ohne irgendwas dabei zu fühlen – der weiß zumindest was es heißt, in dieser Welt einen Kampf führen zu müssen. Und wie es um die Motive derer steht, die sich ungefragt einmischen. Ich denke, ehrlich gesagt, nicht, dass ich ein Rassist bin. Ich bin mir sogar sehr sicher.
Das wiederum lässt mich genau daran zweifeln – und dieses Hinterfragen, was glaubst, was mir das für ein Gefühl gibt, hm?. Und so fort.
Deshalb will ich sagen, was ich glaube, zu sagen zu haben – und weil vielleicht unsere Kämpfe einer werden müssen, um am Ende irgendwie Sinn gehabt zu haben. Eines Tages. Weil sie sich im Kern darum drehen, dass diese Gesellschaft, andere Menschen, andere als Opfer brauchen, weil sie sich nur lebendig fühlen können durch das machtvolle am Tätersein. Bis es aber so weit ist, ich eingeladen bin, man sich findet, führe ich meinen Kampf, (der sich selbstverständlich auch gegen Rassisten richtet) einfach weiter. Und höre Tupac. Und wünsche euch von Herzen alles Gute bei eurem. Ob ich weiß, dass ich kein Heuchler bin? Natürlich nicht. Wer kann sich da schon sicher sein. Aber selbst wenn es heute so ist, soll ich den Morgen deshalb aufgeben? Sicher nicht. Dass würde Fleischhauer gefallen. Deshalb wird er sich’s am Ende gefallen lassen müssen.

11
Jun
21

schließlich bist du resilient

Eine Rundmail von der Chefin,
sie lädt zum Meeting ein.
Thema von dem ganzen Treffen
soll Resilienz im Alltag sein.
Dort lernst du also abzuwigeln,
wenn es sich um Echtes dreht,
dort lernst du es, dich einzuigeln,
wenn Menschliches mal vor dir steht –
dort lernst du das Büro zu rocken,
in Camouflage, mit Stand-MG
im Bunker unter’m Schreibtisch hocken
im Neonlicht, bei Eis und Schnee,

sprengst du einfach alle Brücken,
wenn das Leben draußen klopft,
wenn Untergebne sich nicht bücken,
kriegen sie das Maul gestopft,
mit Flammenwerfer und Granaten
bekämpfst du deinen Stress,
weil draußen keine Freunde warten,
fühlst du dich ganz gut, indes
steht alles, alles hier in Flammen,
ist nichts, was wirklich brennt,
bist völlig blutleer, keine Schrammen,
denn schließlich bist du resilient,

du gibst den Kampf niemals verloren,
was rein will, muss bewaffnet sein,
du musst glauben, du bist so geboren
bis in dir deine Welt stürzt ein –
was du auch tust, ist für die Tonne,
der Grund, der dich von Einsicht trennt:
du findest nicht mehr raus zur Sonne,
denn schließlich bist du resilient

und eigentlich ist’s hier nicht übel,
bisschen Farbe, neue Fliesen,
zwei, drei Schrauben, neue Dübel,
lass ich mir durch den Kopf schießen
um für dich echt aufzuleben –
Ich kann Dank dir noch herzlich lachen.
Ich kämpf mit bloßen Händen um das Leben,
das keinen Grund sieht, um nicht Ernst zu machen.

10
Jun
21

alles, alles

Der Tod, er wandert leise,
Landmine, Kanonenboot,
ans Ende einer harten Reise,
Panzerkette, Doppelschrot,
er fliegt in kalten Winden,
Hinrichtung, Hungersnot,
Mensch in sich zu binden,
Kindersterben, feuerrot,
die nie hier Frieden finden,
Panzerkette, Echolot,
will mit ihm verschwinden.
Weiße Westen, schwarzer Tod.

Der Tod, er wandert leise
durch Schmerz, der ihn nicht spürt
ans Ende einer harten Reise.
Wer richtig tödlich Kriege führt
dankt er durch Pokal und Preise,
wer Unmensch ist, der wird gekürt,
wer auf brutalste Weise
selbstherrlich Gefahren schürt.
Ein Arm schiebt die kalte Feder,
radiert es aus, das Kind.
Alten Band aus kaltem Leder
schlägt die Hand zu, in den Wind.

Im Dunkeln rasseln Ketten,
dort flackert noch ein Licht,
Caipirnha und Limetten
und ein Lachen im Gesicht
und der Inhalt alter Schoten,
Urteil, Schlachtung. Weltgericht
verlassen sie als Noten.
Körper sterben, Lieder nicht.
Sie tragen fackelnd unser Feuer,
Kinder, die nun Tränen sind,
zahlen mit dem Leben Steuer.
Hauchen Küsse in den Wind.

Ich will sie nicht verschweigen,
diese Einsamkeit im Kind.
Hohe, weiße Bahnen zeigen
wie tief die Wunden sind.
Ich  will meine Beine Fragen:
Wohin ihr wohl mit mir geht?
Ich will meinem Herz was sagen,
wenn’s‘ alles sieht und nichts versteht.
Ich will den Grund gern sehen,
auf dem felsenfest der Fuß fest steht.
Ich lass mich einfach gehen
in den Wind, der um mich weht.

Es sind nur noch Sekunden,
dann ist der Tod am Ziel,
fünfvorzwölflang Menschenstunden
dauert nun dieses Spiel.
Ich weiß, ihr könnt mich hören,
nur sehen könnt ihr nicht.
Ich weiß, es muss verstören,
was zu euch aus mir spricht.
Es liegt ganz tief am Grunde
was oben neue Geister weckt,
was leider noch zur Stunde
am Boden ihr für euch bezweckt.

Schmerz mach Wind, lass Engel rufen
der Licht in das Gewölbe bringt!,
dem ihre Lieder Böen schufen
in denen mit die Liebe schwingt!
Sein Fall muss geiles Beben bringen!
Ein lautes Stöhnen, ein Erguss,
gebrochne Flügel, schwarze Schwingen,
ein Erheben und ein Zungenkuss
und ihr werdet oben sehen
was das Leben klein gemacht,
wenn zum Boden Hälse drehen,
stechen Flammen in die Nacht

und wir, wir sind verschwunden,
weil es in uns brennt,
haben wir den Tanz entbunden
in dem uns keine Welt mehr trennt.
Fackeln blitzen auf wie Klingen,
entzünden unerhört,
lieben wir und singen
auf all das, was ihr zerstört.
Es tropft Benzin, nieder, wieder,
wider haben wir’s gemacht,
leidenschaftlich gegen bieder,
das für uns nicht angedacht.

Das Alte muss in Flammen stehen!
Alles, alles, in den Fluss
muss alles, alles eingehen,
alles, alles in den Guss!
Es steht die alte Feder.
Ein kalter Arm, er bricht.
Hat kein für, hat kein weder.
War lebendig hier im Leben nicht.
Vom Himmel tanzt der Ascheregen
im Lied, das weiter klingt.
Er soll alles, alles hier belegen,
dass alles, alles neu gelingt!

Endlich einmal Stille,
endlich einmal Platz für Mut,
endlich einmal frei der Wille,
endlich Liebe frei von Blut.
Ein kleines bisschen Schleierheben;
das Leben hat im Arm ein Kind!
Alles, alles geht auf Wegen
an deren Ende wir bald Menschen sind.

09
Jun
21

am straßenrand

Ich sitz in einem Berg aus Kippen.
Die Augen sagen: sieh nicht hin!
Das stille Lied auf meinen Lippen
vibriert Dank dir, oh Königin,
ich schenk dem Leben meine Krone.
Was umsonst ist, wollt ihr nicht.
Was keinen Preis hat, dass sei ohne
Wert, weshalb sie im Gesicht

nichts als bloß noch Kälte tragen,
weil über sie der Rubel rollt,
geht ihr gern euch an den Kragen,
wenn ihr auch regieren wollt,
lasst ihr euch vom Zepter schwingen
und verkauft euch gegen Gold,
ihr würdet so gern mächtig klingen
und tut doch nur, was ihr sollt.

Ihr könntet kleckern! Ich könnt kotzen,
wo sie pechschwarz abfärben
und bis zum Ende knallhart klotzen –
schließlich muss wer Armut erben –
spielen wir mit innren Kindern,
überholen, wenn sie rasen,
ihr protzt echt mit Zwölfzylindern?
Statt zu zaubern, ja!, mit Abgasen,

damit könnt ihr echt gut leben?
Wir können es nur in der Nacht,
mit Instinkten Vollgas geben
wenn sie die Stadt zum Dschungel macht,
dann Suchen wir nach letztem Guten,
dann wird gegraben im Asphalt
bis wir von Kopf bis Kralle bluten.
Am Tage wird’s dann bitterkalt,

bis eben wollt es keinem fehlen,
jetzt nehmt ihr’s einfach aus dem Hut.
Es wird wertvoll, wenn sie’s stehlen.
Ist Preis zu hoch, tut er euch gut
und an der Ecke lasst ihr’s fallen
mit einem Grinsen im Gesicht;
der Träne, versucht festzukrallen,
sag ich: Ciao Schatz, weine nicht,

der Thomas mit der fetten Wampe
ist halt faul und selbstgerecht,
fühlt sich als King von Resterampe
komisch gut und staunt selbst schlecht,
so wird er es halt niemals bringen,
ich pflück dir Blumen von der Straße,
bring Duft dir mit gebrochnen Schwingen
in kaputter Welt als Vase

und sitz in einem Berg aus Kippen.
Ihr wohnt noch? Ich regiere schon,
das stille Lied auf meinen Lippen
macht daraus den letzten Thron.

08
Jun
21

inhalt und aufbau sozialer arbeit

Es ist der Sozialdarwinismus,
der Kinder erst in Formen schlägt,
danach ihr Herz in Ketten legt –
und sie sich holt, kurz vor Schluss.

Es ist der Sozialdarwinismus,
der durch Drüberschichten therapiert
der nach Willen und nach Namen giert
und zurück wirft in den kalten Fluss,

wo auch ihr Kind so später stranden muss,
bei den weit von sich entfernten.
Wer wird dann wieder Seelen ernten?
Es ist der Sozialdarwinismus.

08
Jun
21

in den leidplanken

Wie Menschen Richtung Ende wanken,
wie überall die Funken fliegen –
ihr Kopf, der schleift an Leitplanken,
weil sie ab der Hüfte quer liegen –
so halten sie noch vor Abgründen,
die Psychiatrie und die Gesetze,
als ob da Chancen noch bestünden.
Es fallen manche, keine Netze

die sie am Weg nach unten schützen,
Lehrkörper zieh’n sie zu, die Bahnen.
Die Lehre glauben sie zu stützen,
wenn sie Delinquenten manchmal mahnen
und natürlich ihnen auch mal sagen:
ja, am Ende sind es zwar nur Noten.
Doch Schleifenlassen? Nienichtwagen!
Sonst endet dumm ihr unter Toten.

Die unbenutzten Frotteeseelen
sie lagern in den Handtuchschränken,
um sie zweimal täglich durchzuzählen
und Tränen dann dem Stoff zu schenken.
Sie sind farblich recht schön einsortiert,
vom Fenster zur Tür, dunkel zu hell.
Wo weiß die Hand den Fall sondiert,
da fällt der nächste trotzdem schnell

und brechen ihre Straßenflanken,
sie jubeln, fallen, stürzen, lassen,
wenn Psychiater eigne Pillen tanken,
da lernen Liebende hart zu hassen,
da trampeln Stahlkappen in Gräser,
da müssen Lehrer Bücher fressen,
während ihre Reagenzgläser
in Millilitern Schüler messen –

wie Menschen Richtung Ende wanken.
Wie überall die Funken flogen.
Die Herzen, die seit jeher sanken,
hat das Leben morgen eingezogen.




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Bedeutet im Klartext: Teilen? Jederzeit! Zerteilen? Kein Stück! Alles, was hier an Texten erscheint, ist geschrieben ohne kommerziellen Hintergrund und in diesem soll es auch bleiben.
Und jedes Wort, das in meinem Namen erscheint, und sei es der Nick-Name, soll damit auch möglichst unter diesem weitergegeben werden, so, wie ich auch mit den Texten anderer verfahre.


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