17
Jan
20

Darf ich vorstellen?

Stell dir vor, du wirst geboren,
unschuldig, nackt und bloß,
nie gewonnen, nie verloren
stellst du dir vor, wirst stark und groß.
Stell dir vor, du kommst zur Schule,
was kommt, das ahnst du nicht.
Links der Streber, rechts der Coole,
dazwischen Fäuste im Gesicht,

etwas kommt in dich gekrochen,
plötzlich bist du selbst das Ziel,
plötzlich hat wer Angst gerochen,
dir steckt im Arsch ein Besenstiel,
stell dir vor, der bleibt dort stecken
wenn sie dich zusammen treten,
du stellst dir vor bis zum Verrecken
hat dein Blick umsonst gebeten,

stell dir vor in jenen Ecken,
wo sie ins Gesicht dir pissen,
siehst du sie den Mensch verstecken
auf den alle scheinbar schon geschissen,
stell dir vor, wie sie spucken,
wie sie Leben aus dir lecken,
Schläge, Tritte, Blut, kein Zucken.
Du stellst dir vor, wie alle’s schmecken.

Du stellst dir vor, was jeder weiß.
Sie wissen es, steht in Gesichtern,
du bedeutest nirgends einen Scheiß,
täglich lebst du unter Richtern,
nachts mit Ängsten, die dich biegen,
dem Schrei, den man am Tag vermutet,
wenn selbst nachts die Fäuste fliegen,
wenn selbst nachts die Seele blutet,

du siehst dich in die Schule schleichen,
weißt nicht mehr um die Gründe,
du träumst wie sie die Hand dir reichen
für die vielleicht Grund bestünde,
stell dir vor, es fliegen Schellen,
würgen, hecheln, was im Rachen,
stell dir vor, die Angst vor Wellen,
stell dir vor, du hörst sie lachen,

stell dir vor es schlägt voll ein
nennst dich heimlich selber Schwein
statt zu weinen hart wie Stein
schläft in dir etwas einfach ein
und wacht auf beim Psychologen
und selbst noch um dein Schweigen
wirst du knallhart dort betrogen
wo nun alle Finger auf dich zeigen.

Du also bist doch der Grund,
der dich selbst vom Leben trennt.
Du verschwindest in dem Schlund,
den der Mensch das Leben nennt.
Stell dir vor, in ihrer Weiterkeit
wird ihr Urteil mitgesprochen.
Stell dir vor zu dieser Zeit
sind alle hier wie du gebrochen.

Auch nächstes Mal wird man es dulden,
weil’s der eignen Duldung dient.
Stell dir vor, durch deren Schulden
war dein Lebensweg vermint.
Stell dir vor, du wirst sie finden.
Stell dir vor, wer ist bei dir.
Stell dir vor! Er muss verschwinden!
Stellt euch vor. Natürlich liegt der Grund bei mir.

14
Jan
20

Das Leben ist schön

Es war ein Tag in grauer Ruhe,
im Brustkorb fiel der Regen.
Du packtest dich in eine Truhe.
Verlierst dich seither auf den Wegen.

Das Leben ist schön, hör ich sie sagen
Mehr kannst du nicht mehr hören.
Ist es das? Wollt ich nur fragen.
Ist es das? Begann zu stören.

Hörst du mich? In deinen Träumen?
Wir sind im Dunkeln, wir ertrinken.
Du versuchst mich auszuräumen.
Ich will nicht, dass wir heute sinken.

Siehst du mich? Bei deinen Qualen?
Uns das Wasser bis zum Halse stehen?
Du gehst vorbei mit einem Strahlen.
Um pfeifend fort zu gehen.

Fühlst du mich? An deinem Herzen?
Der Wind ist längst ein rauer!
Weit entfernt von deinen Schmerzen
wird der Himmel immer blauer.

Ich werde dich niemals vergessen.
Dein Name, der wird hochgehalten.
Der ist verzweifelt, ist besessen!
Drehst dich weg von den Gestalten,

gehst weiter, weiter munter
und glaubst weiter, ich geh onne.
Ich gehe weiter mit dir unter!
Unsre Tränen sinken mit der Sonne.

13
Jan
20

V wie Vorspiel

In eurer Art bis neun zu zählen,
habt ihr sie da mitgedacht?
Die jungen Menschen, die sie quälen?
Die ihr angeschossen, ausgelacht?

Die deutsche Unwucht in den Stimmen
ist durch Pomade aalgescheitelt –
mit Gauleiterwillen wen zu trimmen.
Hat’s Leben so schon oft vereitelt.

Ihr irrer Hang zu den Geschützen,
als ob in ihnen Glaube schwirrt,
der Tod der Andren würde nützen,
als ob der Gleiche gleicher wird,

durch Limerick, Sonettenkränze,
stilllebend sehr von innen her.
Die kleinen Eier, Stummelschwänze
tragen an der Herkunft schwer,

wo wir durch die Nächte lungern,
wo der letzte Vollmond thront,
wo wir lebenslänglich hungern,
heulen wir die Nacht zum Mond,

wo wir noch die Stimmen hören,
wo sie längst schon unterkühlen,
wo sie uns niemals zerstören,
weil wir’s bis zum Ende fühlen.

12
Jan
20

durch.trainiert

Im Leben willst du echt was werden?
Arbeite! Nimm’s nicht leicht!
Was besondres hier auf Erden
wird am ehesten von dem erreicht
der alles tut, was sie ihm sagen.
Nimm das Ernst! Das ist das Spiel!
Was du willst, ist nichts zu wagen.
Genug ist gut und besser viel.

Bewerte Kinder stets nach Noten.
Horte nach Befehl das Wissen!
Was bedeutet’s? Zeigen Quoten.
Nicht sehen lassen? Heißt gerissen.
Gelerntes kannst du wiedergeben.
Nicht falsch liegen ist richtig machen.
Zufrieden geben heißt frei leben.
Wertvoll sind die Wertsachen.

Manchmal ist es echt was Gutes,
ist etwas mal nicht ganz so schlecht.
Ohne Emotion heißt gleichen Mutes.
Meckert keiner, ist es Recht.
Höflich ist verschlagen grienen.
Resignieren heißt Erfahrung haben.
Erfolgreich sein heißt viel verdienen.
Gerecht ist’s, wenn sie mir mehr gaben.

Clever sein heißt legal stehlen
und Anwesenheit voll da zu sein.
Sollte es an Kohle fehlen?
Sind Kleinigkeiten nicht mehr klein.
Der Reiche, der macht Überstunden.
Der Bürger, der macht Schicht.
Der Assi hat noch nichts gefunden.
Regeln, die sind Menschenpflicht.

Aus Wegen die dir vorgegeben
heißt Freiheit einen auszusuchen.
Sei so frei und akzeptier das eben!
Gutgelauntsein heißt niemals zu fluchen!
Sei bloß einer unter allen,
so machst du schon was richtig!
Schaffst du’s dazu nie aufzufallen,
macht dich wertvoll das und wichtig!

Du hast also heut Haus und Garten?
Dazu ein Foto? Zeig!
Auf mich? Könnt ihr lange warten!
Ich lebe gern am Bürgersteig!
Denn das Leben wird bald fallen
und seh ich euch vor Panik laufen?
Dann werde ich die Fäuste ballen
im Showdown zweier Trümmerhaufen!

12
Jan
20

Breit den Weg zu gehen

Bald kippt Leben von der Krücke.
Tod hat es nach Haus gebracht.
Bald springt kichernd von der Brücke
der Letzte, der als Letzter lacht.
Bald frisst die Gier dieser Kanone
den Dauerfeuerdauerlauf,
verschluckend sich an der Patrone.
Der allerletzten, die im Lauf.

Bald war das Urteil schon gesprochen
für den, der schick in Schmerz gekleidet.
Bald kommt aus seinem Loch gekrochen
der, der mir mein Outfit neidet.
Bald wird auch er hoch hängen,
nach Waterboarding-Tränenbad.
Bald wird ein Fluss die Mauer sprengen.
Bald dreht es sich, das letzte Rad

und wir feiern, kiffen, dealen,
seit wir kaputte Kinder sind,
wir zocken, setzen, spielen,
wir folgen den Instinkten blind,
können selbst im Dunkel sehen
dieser letzten, kalten Nacht.
Wir sind bereit, den Weg zu gehen
der sie so zum Tage macht.

28
Dez
19

Vom bayrischen Demokraten

Es fürchtet der Andreas Scheuer
den kommenden Asyltourist.
Riecht nicht gut und kostet teuer
bis zur Asylablauffrist.

Wo sie heut aus Seenot retten,
erinnere ich blass –
war was, könnt ich wetten.
Aso ja, genau das:

Da schoben einmal FrontEx-Boote
per PushBack auf das Meer zurück.
Vom Flüchtlingskahn, da winkten Tote.
Macht es gut und wünscht uns Glück!

Die Fischer durften den nicht retten
der vor ihren Füßen sinkt.
„Ob wir dort wen gesehen hätten?
Joa, ein Bimbobötchen sinkt.“

Es fürchtet der Andreas Scheuer
den kommenden Asyltourist?
Ein Arschloch, Mörder, Ungeheuer
das recht tüchtig Nazi ist.

21
Dez
19

nichts, nichts

Wieder seht ihr nichts, benommen.
Genau wie letztes Mal.
Wieder ist es so gekommen,
erwachsen Seelenqual
aus Blutbädern von gestern.
Wieder steht das Gesternheer,
sind Brüder und sind Schwestern
nur Fuß noch bei Gewehr.
Wieder gibt’s nur gute Krieger,
wo jeder über jeden lacht
bedeutet Fehler sie zum Sieger
den jeder gleich woanders macht.
Wieder konnte ihn kein Mensch sehen.
Der Kraken ging auf Seelenfang.
Wieder konnt kein Mensch verstehen
Leid, Elend. Dinge und ihr Gang.
Wir müssen hin zum Ende gehen!
Weg vom fort Schritt lebenslang.
Heute könnt der Wind sich drehen –
erhebt ihr euch zum Angesang!

Propaganda ist an letzten Tagen
leider gemacht leicht
wo die einen nicht ertragen,
dass man andern Hände reicht,
funktioniert sie wie Schwingtüren:
Einen winkt sie in das Haus
um ausschlagend wen wegzuführen;
weg! Ins Stolze! Ab und Raus!
Seht ihr den Zeitarbeitermorgen?
Am Nachtschrank liegt die Line.
Nach Arbeit die Beschaffungssorgen?.
Ohne krank geschrieben sein?
Seht ihr ihn zu Hause sitzen,
der an keinen Morgen denkt?
Seht ihr sie zu Hause schwitzen,
wie ein Andrer sie sich schenkt?
Wenn Andre für ihr Leben werben,
Geld. Geld. Geld, Wohlstand,
seht ihr sie beim Anblick sterben?
Seht ihr wie die Hand sie fand?

Seht ihr ihn daheim alleine,
wie er’s nicht wissen kann:
ist es die Welt? Ist es meine
Schuld? Seht ihr den Zweifel dran?
Seht ihr drüber kalte Augen
schöpfend draus die Kraft,
die aus Hass Glauben,
die Dunkelheit in Herzen schafft?
Seht ihr nicht die Flut an Drogen,
Dank Lederweste. Dank SA?
Maske, die sie krumm gebogen?
Die mit ihnen ich gehen sah?
Sie werden nicht marschieren.
Ein Schlachtruf, Erde bebt.
Sie werden einfach explodieren,
trampeln über das, was lebt.
Fortan wohnen Psychologen
im eignen Pharmaschrank.
Was sie zu versteh’n erwogen –
kriegt den Rest, zieht es sie blank.

Wahrheit! wird die Zeitung pressen.
Keiner liest. Betonurwald.
Lehrer werden Bücher fressen
auf der Suche nach Gehalt.
Ja, dieses Biest, das Braune!
Hat jeden auf dem Schoß.
Tod macht ihm noch mehr Laune,
seit es endgültig nun endlich groß.
Es streichelt euch die Haare,
es streichelt euch die Haare grau.
Blut wird fließen, tausend Jahre
das weiß es beruhigt ganz genau.
Es war nie finstre Lehre.
War Nachfrage und Angebot.
Ob Mensch lebendig wäre,
schickte er nicht in den Tod?
Das Messer an der Kehle.
Es fällt, das Leichentuch.
Am Ende bleibt Gequäle.
Am Anfang stand ein Buch.

Dagegen sind wir angekommen
ohne Grollen als ein Licht,
im Lebensfluss geschwommen
der in Spektren bricht.
Soll die Farbe tanzend packen!
Freier Wille! Freie Wahl!
Es kamen nur gepatchte Jacken
in den prall gefüllten Saal.
Sie gaben ab an den Garderoben,
wo ihr zufrieden sitzt.
Blicke unten und Haupt oben,
wo keiner Blut und Wasser schwitzt.
Ihr wollt auf euch verzichten?
Bässeballern. Ahnt ihr’s schon?.
Es beben erste Schichten.
Wände stürzen Polyphon.
Die Farben, sie entweichen
Richtung Heimat Himmelszelt,
schwirren, irren, tanzen, reichen,
Blitzezucken, Zeitsiefällt,
Feindebringen,
Freundegehen,
Händeringen,
Halsumdrehen,
Benzinregen,
Augenrollen,
Gottessegen,
Kindertollen,
Haubitzensingen,
Junkietanzen,
Spritzenspringen,
Grünpflanzen,
Dünenwehen,
Bombenschlag,
Zeitgeschehen,
Zeitbelag,
Mordbegehen –
alles, alles in den Himmel!
Meldodie! Und Tanzflammen!
Mehr zucken, mehr Gewimmel
bis dann über Fahnerammen
ein Moment
reines Schweigen,
mit Zeit stehend
im Tanzreigen
und alter Erden Asche fällt
durch die dicke Luft
und auf die Böden neuer Welt.
Neues Bild und Frühlingsduft
und Mensch und Unterschied,
und alle Teile, ganzer Sinn
und alle Noten, neues Lied
und Schleierheben. Neubeginn.

Mein Mund ist eine Narbe.
Feuerwassernd, neunmalklug.
Meine Seele, ihre Farbe
in Atmosphären Trümmerflug.
Ich verlor mich, mich zu finden.
Höhenflüge, Drogensucht.
Ich kam bloß an, um zu verschwinden.
Frei geschwommen. Auf Fahnenflucht
gieß ich Erguss in Guss aus Güssen,
leide Leid mit Leidenschaft,
fließ ich auf Floß im Fluss mit Flüssen;
bin ich Schuft der’s schafft und Schüftin schafft
und will eigentlich nur küssenmüssen.
Ich haue raus, was mich rein zieht,
schließend Schluss aus Fehlschlüssen
geb mein Herz ich an das Lied
und vielleicht bin ich verloren
und vielleicht bin ich längst hin
und vielleicht weil ich geboren
zu gewinnen bin.




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