Author Archive for Sebastian Deya

29
Jan
16

An NeuLand zu ziehen (bis du mich hast geöffnet)

Ich will nicht mehr sehen diese Augen,
die Angst mir machen durch die Sicht,
ich will nicht mehr an die Blicke glauben,
aus denen laut die Lüge spricht,
ich will nicht mehr durch die Türen gehen,
durch die ich dann von innen seh:
Bald werd ich einsam draußen stehen,
wenn ich weiter durch sie geh.

Ich will nicht mehr um dje Herzen werben,
die kaum jemals lebendig sind,
ich will nicht mehr sehen, wie sie sterben,
taub und stumm und völlig blind,
ich will diese Tränen, die nicht stören,
die ich in mir dann betäuben muss,
nicht mehr fühlen, weil sie mich zerstören
auf dem Weg zum guten Schluss.

Ich will nicht mehr mit den Mündern sprechen,
aus denen Wahrheit grinst mich an;
denn sie sind die Enkel der Verbrechen,
wegen derer ich nicht schlafen kann,
ich will nicht mehr, als ob nichts bliebe,
gleich immer mit mir selbst hinein,
ich musst es doch, weil ich es liebe,
wo sonst soll die Hoffnung sein,

von der die Menschen nicht mehr träumen?
Sie liegt ganz tief am Meeresgrund,
wer erleben will, darf ihn nicht säumen,
schwarzen, tiefen, kalten Schlund.
Wie oft habe ich ihm abgeschworen?
Solang, bis der nächste sinkt.
Ich ging bloß tauchen. Nicht verloren.
Weil aus den Enden Anfang winkt.

29
Jan
16

Von Fesseln und so

In meinem Kopf, da wohnt ein Biest,
das sich erbaut, wenn man’s genießt,
in meinem Arsch wohnt ein Dämon,
der bequemt sich gern am Thron,

in meinen Augen wohnt ein Gnom,
der ist geil auf Gold und Chrom,
in meinen Ohren wohnt ein Troll,
der nimmt sich gerne für zu voll,

weil in mir auch ein Drachen haust,
wird bei Gegenwind oft aufgebraust,
wenn in mir alles schreit und plärrt,
was auch läuft. Es läuft verkehrt.

In meiner Brust, da schlägt ein Herz,
das braucht ihn nicht, den ganzen Terz,
es lebt, wenn es den Mensch entbindet,
der in mir keinen Frieden findet.

29
Jan
16

Weil ich weiß, das du Blumen magst (3 – alte Liebe rostet nicht)

Gestern lagen wir noch unter Bäumen,
Sommer ließ uns küssend träumen,
als wir hoch zur Sonne lachten,
unter blauem Himmel Liebe machten,
da ließen wir die Seelen fliegen,
die wir fingen, sie zu wiegen.
Wir ließen innre Kinder spielen,
bis die ersten Blätter fielen,

unter denen wir ihn kommen sahen.
Wir spürten diesen Winter nahen.
Nun begräbt ein kalter Haufen,
vor dem wir fliehend wegglaufen,
was wir selbst nicht mehr gesehen.
Ich steh davor und kann nicht gehen,
während sie ihr Salz streuen,
in die Wunden, sich zu freuen,

steh ich daneben und muss bleiben,
kann nicht gehen, lass mich treiben,
steh daneben, muss mich fragen:
Wohin wird die Angst mich plagen?
Muss nicht heulen, sondern weinen,
lieben, hassen, hoffen, scheinen,
Leere, Blut und Wasser schwitzen,
so rinnt ein bisschen Schnee in Pfützen

und sickerf dann in feuchte Erden.
Ob wir drin versinken werden?
Frag ich mich und halt sie feste,
diese Liebe, unsre Reste,
mit der Angst, mich zu verlieren,
mit der Angst, hier zu erfrieren,
stehe ich bei Wind und Wettern,
halt mich fest an ein paar Blättern,

die gefrorenes mit Frühling schmücken.
Was ich will ist, sie zu pflücken,
was ich will ist, an dich denken,
was ich will ist, sie dir schenken,
was ich will ist, das sie duften,
was ich will ist dafür schuften,
was ich will, ist sie dir geben.
Was ich hoff? Sie lassen leben.

28
Jan
16

Dichter, Dichter(in)!

Dichter! Dichter! Ja! Du! Da!
Dichter! Dichter! Geh mir nah!
Dichter! Dichter! Näher ran!
Fackel ab! Und zünde an!

Lüfte Schleier! Lüfte Nebel!
Lehn zurück und drück den Hebel,
dichter! Dichter! Lass es sein!
Holt’s dich ab, dann lädt es ein,

dichter! Dichter! In die Tiefen!
Dichter! Wo die Träume riefen,
hinter Hirnen, unter Häuten,
lass es krachen, lass es läuten!

Dichter! Dichter! Lass es klingen,
lass es schwirren, lass es schwingen,
Dichter! Knirsche mit dem Kiefer,
kratz mit Nägeln über Schiefer,

dichter! Dichter! Lass es schütteln,
lass es beben, lass es rütteln,
Dichter! Dichter! Bis sie fallen,
lass die Worte nach dir krallen,

Dichter! Dichter! Hab sie lieber,
steck mich an mit deinem Fieber,
stell mir Haare auf im Nacken,
dichter! Dichter! Lass dich packen!

Dichter! Dichter! Ja! Du! Da!
Dichter! Dichter! Geh mir nah
und lass es Spreu und Weizen trennen,
wo sie züngeln. Lass es brennen!

28
Jan
16

Tweet 48

Wo die Menschen blindlinks rasen,
friert mein Herz und hält dagegen –
fliegen frei so Funken in die Nasen,
riecht das wir nach neuen Wegen.

24
Jan
16

Kalt und gleich

Wir müssen unsre Frauen schützen!
So hallt es laut und im Tenor,
doch was würde dieser Schutz nützen?
So bohrt die Frage mir im Ohr,

ich brauch nur in die Welt zu schauen!
Was ich sehe? Ist Missbrauch!
Bei reichen, fetten, seelisch grauen
finden sich doch immer auch

junges Fleisch und dicke Brüste,
ausgewählt wie im Prospekt,
ohne Werte, die man haben müsste,
wird in Menschen Geld gesteckt.

Sie lieben Autos, lieben Boote,
lieben den, der dafür zahlt,
sie lieben Steine, weiße, rote,
lieben den, der damit prahlt,

sie behandeln sich wie Dinge,
fasten, schminken, schleifen sich,
sie fassen sich in goldne Ringe,
sprechen kniend: Ich liebe mich!

Wie arm sind diese kranken Seelen,
die nichts merken von der Not,
die sich gegenseitig Liebe stehlen?
Selbst die letzte Scheibe Brot

freudig noch in zwei zu machen,
DER Genuss, der macht doch reich!
Nur DAS lässt dich trotzdem lachen.
Und ihr bepreist es. Kalt und gleich.

24
Jan
16

Bonnie und Clyde

Weißt du noch, was wir verstanden,
erinnerst du die Leidenschaft?
Als wir ein Gefühl im Andern fanden
und in Momenten diese Kraft,
als wir fühlten, was wir spürten,
als wir standen voll im Saft?
Als wir sie aus dem Knast führten,
sie nahmen so in Geiselhaft,

als wir an der Liebe zerrten,
als wir glaubten ans Stockholm-Syndrom?
Da wurde frei, was sie versperrten.
Ja, ich weiß. Was weiß ich schon.
Doch weißt du noch, in Luft und Liebe,
wie sie uns sehnend angeblickt,
wie sie gesagt, das sie gern bliebe?
Bis sich das Leben angeschickt

und am Himmel Helikopter lärmten,
bis Vergangenes uns angelacht,
bis all die Wunden ausschwärmten,
bis die Zukunft Angst gemacht,
bis im Licht der Suchscheinwerfer,
die nach und nach das Haus umstellt,
die Töne wurden immer schärfer,
bis Aug und Ohr, komplett vergrellt,

all die Sinnlichkeit vergessen ließen.
Bis es schließlich schlug dann zu,
nachdem es drohte, scharf zu schießen,
als wir kämpfend kamen aus der Ruh,
als dieses Dröhnen riet uns, aufzugeben.
aufzählend, was uns wohl erwartet.
Da war’n wir zwei. Umstellt vom Leben,
bis das, womit wir durchgestartet,

in verfolgten Köpfen und Gedanken
für den Augenblick verloren ging,
in großer Furcht, in unsrem Wanken,
verlor’n wir Hoffnung, Ziel und Swing;
so stürmte es mit Schrot und Knüppel
durch alle Löcher in das Haus,
sie schossen dein Gefühl zum Krüppel
und trieben es dir letztlich aus,

als sie dich alleine zum Verhör zerrten.
Da bereutest du. Es tat dir Leid.
Was wir tief im Herz mit Glut begehrten,
ist plötzlich nun vertane Zeit,
seit sie unsre Liebeshöhle stürmten,
die wir zu einem Heim gemacht,
durch dessen Fenster Zweie türmten,
zurück in diese kalte Nacht,

wo ich einsam wachend wach liege,
schreit dein Leuchten, jeder Stern:
„Weißt du noch? Mach nicht die Biege!
Scheint es momentan auch fern!
Versuch es fest im Arm zu halten!
Dieses Feuer, euer Glück!
Lässt du es deinen Traum gestalten!
Kommt der Tag! Ihr schlagt zurück!“




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Bedeutet im Klartext: Teilen? Jederzeit! Zerteilen? Kein Stück! Alles, was hier an Texten erscheint, ist geschrieben ohne kommerziellen Hintergrund und in diesem soll es auch bleiben.
Und jedes Wort, das in meinem Namen erscheint, und sei es der Nick-Name, soll damit auch möglichst unter diesem weitergegeben werden, so, wie ich auch mit den Texten anderer verfahre.