Author Archive for Sebastian Deya

15
Jul
19

Schwerelos

Jeden Tag sprichst du von Liebe
während deine Stimme schweigt.
Als ob dich etwas triebe
seh ich, wie dein Finger zeigt,
seh ich ein Ergötzen
an einem grellen Licht –
während in kältesten Betonglötzen
das nächste Kind zerbricht.
Ich steh davor, in der Stille.
Tränen, Fesseln, Bett und Pille.
Kein Kindermund, der schreit.
Dunkelheit, gebrochner Wille
und Mensch, der sich’s verzeiht
um Knirpse nicht zu weinen
die nach tausend Jahren Blut
vor’m Leben schon zu sterben scheinen.
Statt ihre Not zu spüren,
zu packen ihren Schmerz,
sie zurück zu uns zu führen –
fasst du dir kein Herz.
Lieben heißt mit ihnen tanzen.
Wir? Packen Scheibenweise Tod
morgens in die Schulranzen.
Verfüttern sie ans Pausenbrot.

Ich seh uns patrouillieren
in Auschwitz durch das Eisentor,
aus Angst vor Offizieren
stell’n wir Helden uns im Unheil vor,
während Knirpse in der Scheiße sitzen
in Todesangst, vollgeschissen,
durch den Henker, aus dem Loch
ließen sie bis heute wissen:
seht her, ich lebe, lebe, lebe noch!
Sie weinen bitterlich!
Siehst du ihre Augen blitzen?
Sie bitten uns, bitten dich
dem schlimmsten aller Leben
durch den Dreck, den Gestank
irgend einen Sinn zu geben.
Eurer holden Lieb‘ sei Dank
öffnet ihr die Herzen
und tut es eben nicht,
ihr macht aus ihren Schmerzen
im Handumdrehen Licht.
Hörst du sie nicht schreien?
Du siehst es nicht das Glück,
wenn wir sie befreien
auf dem Weg zu uns zurück?
Ich weiß, dies Runterbrennen
ja, es ist kein Fest;
ich lernte mich so kennen.
Das hier ist der Rest,

weshalb ich dich verstehe,
verstehe dich echt gut,
doch du siehst nicht, was ich sehe,
habe einmal doch den Mut –
komm zu mir, ans Fenster!
Riechst du deinen Duft
im Reigen der Gespenster?
Dort im Dunkeln, dicker Luft
wo Kräfte uns verloren gingen –
ich weiß, du spürst dich da
und ich werde springen,
und ich komm dir nah,
ohne Angst vor’m Fallen,
ohne Angst vor’m Aufknallen
weil unten halt kein Boden ist,
seh ich Hände ineinander Krallen,
hör ich Liebe durch die Gassen schallen
schwerelos, wie du’s dann bist.

Werbeanzeigen
15
Jul
19

Sonnenklar

Ach Verstand, du sollst kapieren
so hin- und hergerissen:
ich kann dich nur verlieren.
Ich kann dich nicht vermissen.
Ach Verstand, du sollst es lassen!
Kannst du es denn echt nicht fassen?
Ich werde dich nicht hier
im Arme sicher wiegen,
ob mit nun oder ohne mir:
eines Tages wirst du fliegen!
Komm Verstand, mach mich doch nieder,
bis zum Tag an dem ich gehe!
Blödmann, du kommst wieder!
Komm, Verstand! Verstehe!

09
Jul
19

Wie es ist

Am Wasserhahn
Wasserflecken,
Wollmäuse
in hellen Ecken.

Ich denk, wie's war,
es wird kalt,
denn mir wird klar:
Oma ist alt.
02
Jul
19

An einen Bruder

Sie werden unser Herz befüllen
mit Schmerz, der 1000 Jahre alt,
in dunkle Wolken Herzen hüllen.
Bald schreien Herzen bitterkalt.

Bruder, was sie mir genommen,
es lebt auf in mir!
Bruder, lasss es ankommen!
Bruder, behalt’s dir,

wie nach den ersten Tagen
mir tun die Füße weh,
wo andere im Bett lagen
ich betäubt nur steh,

wie nach einer Woche
der Schmerz dann aus mir schreit,
der Schmerz einer Epoche,
Schmerz der ganzen Menschenzeit.

Bruder, was sie mir genommen,
es lebt auf in mir!
Bruder, lass es ankommen!
Bruder, behalt’s dir!

Bruder, lerne mich zu lieben!
Ich liebe dich! Ich zeig dir wie,
ich werde dich im Arm wiegen
und sing die Lebensmelodie.

01
Jul
19

Sie fragte nicht nach dir.

Mir tat alles weh,
konnte nicht mal liegen.
Plötzlich: eine Tasse Tee,
ein distanziertes Wiegen.
Endlich war wer da.
Ein Geständnis über Schnee,
ein Jammer, ein oh weh.
Ein: ich weiß, ist gut.
Ein; ich sehe, was ich seh.
Kein Problem, es geht mir gut.
Plötzlich wusst ich, wer
neben mir nun sitzt.
Sie fragte nicht nach dir.
Ein Taschentuch, sie schwitzt.
Ein bisschen was über ihr,
Geschreie, nicht viel mehr.
Mut verlieren bräucht ich nicht,
hat nur kurz geschimpft,
sie schimpfte auf den Wicht,
sagte droht, nicht eingeimpft.
Ich sagte: Sein Gesicht!
Sie fragte nicht nach dir.
Sie hat laut gelacht.
Ich hätt es halt versucht.
Sie bloß nichts gemacht.
Sie fragte nicht nach dir.
Über falschen Freund geflucht.
Sie fragte nicht nach dir.
Wie geht es ihrer Mutter so?
Sie fragte nicht nach dir.
Kinder schlagen, kein Niveau!
Sie fragte nicht nach dir.
Und der Vater.. sowieso…
Sie fragte nicht nach dir.
Ein weiter Blick zurück.
Sie fragte nicht nach dir.
Ein Kind und sein Orangenstück.
Sie fragte nicht nach dir.
Mir fielen endlich Augen zu.
Sie ging Richtung Tür.
Nicht immer… wenn ich Dinge tu….
Doch immer wofür…
Sie fragte nicht nach dir,
weil sie de Antwort kennt.
Sie fragte nicht nach dir,
weil es unter Lidern brennt.
Sie frage nicht nach dir.
In der Tür hat sie geweint.
Sie fragte nicht nach dir.
Ich ebenfalls, wie mir scheint.
Kein Kännchen, keine Milch.
Kein Blümchen und kein Knilch.
Kein Haus, kein Stückchen Land.
Hängend in der rauen Hand.
Ein grißer Löffel. Ohne Schmand.

01
Jul
19

Du fehlst mir

Ihr verkauft genormt
Bilderbuchschönheit.
Wohlumgefort
in der Kutsche Hofhochzeit.

Ich vermisse, was mir fehlt,
unter’m Herzen Augenringe
angeknockt, fast ausgezählt
im Kampf um Liebesdinge.
Paris, Venedig, Westminster?
Mit Schatten in die Säufersonne,
dunkelhell und hellfinster
im Kerzenlicht der Ghettotonne.
Ein Kommen und ein Gehen,
ein Verfluchen, Wiedersehen,
weil wir beide fertig sind,

vor Wut schäumend, Liebeskind.
Ein Verstehen und ein Kommen.
Hart gelandet und zart rangenommen,
so folgen wir den Spuren
zurück in unser Leben,
1001 Traumfiguren-
Träume kannst nur du erheben.
In schwarzen Lebenskleidkonturen.
Ich träum, dass du nichts drunter trägst,
wenn wir zusammen Sinn ergeben.

01
Jul
19

Alles, alles

Der Tod, er wandert leise,
Landmine, Kanonenboot,
ans Ende einer langen Reise,
Panzerkette, Doppelschrot,
er fliegt in kalten Winden,
Hinrichtung, Hungersnot,
den Mensch in sich zu binden,
Kindersterben, feuerrot,
damit sie niemals Frieden finden,
Panzerkette, Echolot.
Er will mit ihm verschwinden.
Weiße Westen, schwarzer Tod.

Der Tod, er wandert leise,
durch Schmerz, der ihn nicht spürt
ans Ende einer langen Reise.
Wer richtig tödlich Kriege führt
dem gedenkt er mit Pokal und Preise.
Wer Unmensch ist, der wird gekürt,
wer auf brutalste Weise
herrlich dumm Gefahren schürt.
Ein Arm schiebt die kalte Feder,
radiert es aus, das Kind.
Alten Band aus kaltem Leder
schlägt die Hand zu, in den Wind.

Im Dunkeln rasseln Ketten,
dort flackert noch ein Licht,
Caipirnha und Limetten
und ein Lachen im Gesicht,
den Inhalt alter Schoten,
Urteil, Schlachtung. Weltgericht
verlassen sie als Noten.
Körper sterben, Lieder nicht.
Sie tragen fackelnd unser Feuer,
beweinen Kinder, die nun Tränen sind,
zahlen mit dem Leben Steuer.
Hauchen Küsse in den Wind.

Ich will sie nicht verschweigen,
die Einsamkeit im Kind.
Hohe, weiße Bahnen zeigen
wie tief die Wunden sind.
Ich  will meine Beine Fragen:
Wohin ihr mit mir geht?
Ich will meinem Herz was sagen,
wenn’s‘ alles sieht und nichts versteht.
Ich will den Grund gern sehen,
auf dem felsenfest der Fuß fest steht.
Ich lass mich einfach gehen
in den Wind, der um mich weht.

Es sind nur noch Sekunden
dann ist der Tod am Ziel,
fünfvorzwölflang Menschenstunden
dauert nun das Spiel.
Ich weiß, ihr könnt mich hören.
Sehen könnt ihr nicht.
Ich weiß, es muss verstören,
was zu euch aus mir spricht.
Es liegt ganz tief am Grunde
was oben neue Geister weckt,
was leider noch zur Stunde
ihr für Glanz bezweckt.

Ich muss den Engel rufen!
Der Licht in das Gewölbe bringt,
dem ihre Lieder Winde schufen
in denen mit die Liebe schwingt,
sein Fall muss geiles Beben bringen!
Ein lautes Stöhnen, ein Erguss.
Gebrochne Flügel, schwarze Schwingen,
ein Erheben und ein Zungenkuss
und ihr werdet oben sehen,
was das Leben klein gemacht,
wenn zum Boden Hälse drehen,
stechen Flammen in die Nacht.

Und wir sind längst verschwunden,
weil es in uns brennt,
haben wir den Tanz entbunden
in dem uns keine Welt mehr trennt.
Fackeln blitzen auf wie Klingen
entzünden unerhört,
wir lieben uns und singen
auf das, was ihr zerstört.
Es tropft Benzin, nieder, wieder,
wieder haben wir’s gemacht,
leidenschaftlich gegen bieder,
dass für uns nicht angedacht.

Das Alte muss in Flammen stehen!
Mit dem Tod in einen Fluss
muss alles, alles eingehen,
alles, alles in den Guss!
Es steht die alte Feder.
Ein kalter Arm der bricht.
Hat kein für, hat kein weder.
Lebendig war er nie und nicht.
Vom Himmel tanzt der Ascheregen
im Lied, das weiter klingt.
Er soll alles, alles hier belegen,
dass alles, alles neu gelingt!

Endlich einmal Stille,
endlich einmal Platz für Mut,
endlich einmal frei der Wille,
endlich Liebe frei von Blut.
Ein kleines bisschen Schleierheben;
das Leben hat im Arm ein Kind!
Alles, alles geht auf Wegen
an deren Ende wir bald Menschen sind.




Blog Stats

  • 65.261 hits

Gedanken-Feed

Ein Klick bis zum Feed-Abo

 Mit einem Feed-Reader abonnieren

Meine Gedichte HIER abonnieren

FollowMe


TwitterCounter for @Macaveli85

Juli 2019
M D M D F S S
« Jun    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Archive

HTML-Tags

Creative Commons

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Bedeutet im Klartext: Teilen? Jederzeit! Zerteilen? Kein Stück! Alles, was hier an Texten erscheint, ist geschrieben ohne kommerziellen Hintergrund und in diesem soll es auch bleiben.
Und jedes Wort, das in meinem Namen erscheint, und sei es der Nick-Name, soll damit auch möglichst unter diesem weitergegeben werden, so, wie ich auch mit den Texten anderer verfahre.

Werbeanzeigen