Archiv für Mai 2015

23
Mai
15

Wie leicht

Wie leicht sagt sich „das las ich gern“,
wie leicht es sich „gefällt mir“ klickt,
vielleicht bleibt man sich gerne fern,
wenn Schwere sich so leicht vertickt.

Wie leicht man es sich zu leicht macht,
wie leicht will man doch schnell zu viel,
wie leicht sich’s über andre lacht,
vielleicht wird man so schnell subtil.

Wie leicht folgt man doch Neid und Zorn,
wie leicht scheint Falsches richtig,
vielleicht wird heut der Platz ganz vorn
viel zu leicht zu wichtig.

Wie leicht klatscht man zu laut Applaus,
ist Applaus vielleicht das eigne Ziel,
wie leicht kommt man schwer aus sich heraus,
wird bittrer Ernst aus falschem Spiel,

wie leicht verliert das Wort den Sinn,
wie oft hört man es selber nicht,
wie leicht schreibt es sich weiter hin,
wie leicht verliert sich das Gesicht.

Wenn die schwere Zunge heiter singt,
geht’s ganz leicht von selbst zu weit,
wenn man schwer nach andern klingt,
braucht es vielleicht Leichtigkeit,

vielleicht wird viel zu viel ver-ziert,
vielleicht verzerrt uns das die Sicht,
wie leicht werden Worte nicht kapiert,
geht man mit ihnen ins Gericht –

vielleicht werden geistreich kommentiert
erst Worte wirklich zum Gedicht.
Vielleicht ist nur das Wort, das inspiriert,
eines, das auch wirklich spricht.

22
Mai
15

Der richtige Fingerzeig (der Herren Varoufakis und Tsipras)

Warum könnt ihr DEN nicht übergehen?
Wenn ER euch den Finger zeigt?
Ihr könnt doch auch den übersehen,
der’s bloß denkt und dazu schweigt.

Ja: Lügen, Heucheln und Verdrehen,
sie führen hier zu Resignation,
und banges Warten und Volkes Flehen
bestätigen euch. Der blanke Hohn!

Ganz ehrlich: Ich kann ihn verstehen!
Denn wahre Freiheit, die ist nur,
wo Daumen sich nach unten drehen
und dieser Finger kommt Retour.

05
Mai
15

Uno memento (7)

Warum müssen wir uns missverstehen?
Meine Hand wünscht sich bloß,
du wirst weit an ihrer Seite gehen,
wir steh’n auf. Du lässt nicht los.

Kannst du’s denn nicht selber hören?
Wie mein Ohr vor Freude springt,
wenn deine Lippen Worte schwören
und es mir nach Liebe klingt?

Warum müssen wir im Kreis uns drehen?
Siehst du, wie’s mich zu dir zieht?
Wie gern sehe ich dich vor mir stehen,
wenn mein Auge zu dir sieht.

Kannst du’s denn nicht selber fühlen?
Wie warm es um uns plötzlich wird,
wenn sanft die Wellen uns umspülen,
wenn mein Herz dich lieben spürt?

Warum müssen wir uns missverstehen?
Mein Kopf, er fragt: Verstehst du mich?
Doch kannst du’s vor dir stehen sehen!
Mein Herz, es sagt: Ich liebe dich!




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