Archiv für Dezember 2014

30
Dez
14

In den Augen schimmert Tau

Es fällt in diesem Winter
nun der erste, kalte Schnee.
Als läg der Rest dahinter
und drunter, was ich nicht klar seh.
Kalter Wind pfeift durch die Gassen,
als hielt die Welt den Atem an –
als wär es nun doch fast zu fassen,
was das Dunkel sonst verbergen kann.

Eingedeckt sind die, die waren.
Es gehen Fenster und Gardinen zu.
Ein letztes Mal noch Schlitten fahren.
Die Stille schreit: “Lass mich in Ruh!”.
Einen letzten Schneemann bauen.
In seinen Augen schimmert Tau,
aus Angst vor’m Morgengrauen.
Unter’m Schnee liegt mehr als grau.

30
Dez
14

Das Leben macht die Ponys doof

In Reih und Glied sieht man sie reisen,
ihr Leben ist der Ponyhof,
Glied an Glied sieht man sie kreisen
und das Heu macht sie strohdoof.

Weil sie jeden Meter Weg kennen,
sind sie etwas untersetzt,
obwohl sie am Weg nie rennen,
erscheinen sie oft gehetzt.

Köpfe hängen, keiner ist mehr heiter,
ab und an, ein Kind, das lacht,
sie ziehen Bahnen, immer weiter,
bis der Jahrmarkt zu gemacht.

Wer Geld hat, der darf selbst reiten,
wenn er fest im Sattel sitzt,
Rund um Rund, die Gescheiten
halten das für sehr gewitzt.

Dompteure sieht man Zeitung lesen,
mal stopft man voll den Trog,
man trifft sich, wo man nie gewesen,
die Hirne schalten monolog,

einsam, einsam, immer weiter traben,
fort geht’s im steten Marsch,
weil sie zur Not die Peitsche haben,
jagen sie sich Kopf an Arsch.

Bald wird der ganze Laden schließen,
solang kämpfen sie um’s Stroh,
bis die wunden Füße Blut vergießen –
das Leben ist kein Streichelzoo.

30
Dez
14

Weißt du es schon?

Während draußen sich die Menschen hassen,
liegt hier vor mir dieser Brief,
vom Leben an mich: „Antwort verfassen!“
Für den Fall, es ginge schief.

Vor’m „ja!“? Muss ein Kreuzchen bleiben!
Ein „Ja“ vor jedem „ich bin da!“.
Ein „ja“ zu: ich will’s vogelwild treiben
klarja zu: „Ja!babyogottbaby!Ja!“

Ein Kreuz vor’m „nein!“? Auf alle Fälle!
Für: „Nein! So werde ich nie sein!“,
gegen jede Strömung und zu hohe Welle –
zu: „Siehst du es denn jemals ein?“!

Und mit der vielleicht letzten roten Tinte,
auch ein Kreuz vor das „vielleicht“,
hat es gegen Kohle, Hass und Flinte,
mit unserm Feuer am Ende gereicht.

Durch einen Sumpf der meinen Altlasten,
hoffe ich nun, du hörst von mir,
was ich werf  hier in den Briefkasten,
NUR FÜR DICH: Ich bin bei dir!

29
Dez
14

Ich bedanke mich vielmals! Sie hochverehrtes Arschloch!

Du glaubst, es würd im Knigge stehen?
Was bedeutet Höflichkeit?
Die Antwort muss man selber sehen!
Sie braucht bloß Ehrlichkeit.
Es ist dieser Irrweg viel zu vieler,
die glauben nett zu sein,
wenn man sich äußert bloß subtiler.
Das find ich recht gemein!

Wenn Menschen eigne Gräber graben?
Die verdammte Schaufel her!
Denn nur Wichtigkeit gefühlt zu haben,
verhilft zu dem, was hilfreich wär.
Wirklich verloren sind Malz und Hopfen,
wo man im Wort nichts mehr fühlt –
ich kann mit Dreck selbst Löcher stopfen,
weil ich nutze, was mich aufgewühlt!

28
Dez
14

Tweet 45 (Diagnose: Überdosis!)

Machen laute Worte leise stumm,
weil  man sie auf falschem Grund erbaut,
dann wirken sie, wie Valium:
sie sind leicht zu schlucken,
(Ohren)betäubend
und, vor allem: Schwer verdaut.

27
Dez
14

Guten Putsch!

Ich wünsche keinem Guten etwas Schlechtes,
ich wünsche der Vernunft nichts weiter Rechtes,
ich wünsche rosa Brillen denen die lieben,
ich wünschte weniger würden vom Hass getrieben,
ich wünsche keinem Mutgen großen Frust,
ich wünsche Optimisten noch mehr Lust,
ich wünsche keine Stimme bleibt ungewollt still,
ich wünsche jedem einen Partner, ganz so, wie er will,
ich wünsche Wolfgang Petry noch längere Loden,
ich wünsche dem Bachelor winzige Hoden,
der Bachelorette wünsch ich das Gleiche,
ich wünscht die Einsicht träfe auch mal Reiche,
ich wünsche keinem Kälte, wenn er ist im Warmen,
ich wünsche uns nur mehr Wärme für die Armen,
ich wünsche allen bei Monsato einen großen Schluck
keine Medizin bei gesundheitlich großem Druck,
ich wünsche keinem Zocker einen schwarzen Peter,
nur für Bank- und Spielbankbetriebswiederholungstäter,
ich wünsche Technojüngern einen Floor zum stampfen,
ich wünsche Kiffern einem Platz zum dampfen,
ich wünsch man läge doch bei Suchtgefahr,
trotzdem öfter Abstinenzen nah,
ich wünnsche dummen Bauern dicke Kartoffeln,
ich wünsche kalten Füßen warme Pantoffeln,
ich wünsche mehr junge, hübsche Stars und Sternchen
halten sich von youporn fernchen,
ich wünsche Kriegstreiber – und Warlordaffen
haben exklusiven Spaß mit Waffen,
ich wünsche manchem armen Tor,
er ist hinterher klüger als zuvor
und für mich wünsche ich mir nichts weiter.
Hoffe nur, ich bleibe trotz allem weiter heiter
und ansonsten wünsch ich mir für alle das Eine:
Ganz einfach nur jedem das Seine!
Und deshalb vielleicht etwas weniger Hetze,
beim fassen guter Vorsätze,
weil wir nicht nur ein neues Jahr begleiten,
sondern eine andre Zeit beschreiten,
in der wir dann, so hoffe ich, vielleicht bald Neujahr feiern
und alle Menschen saufen, böllern und reiern
gemeinsam, weil wir ein weitres Jahr ein Neues nennen
und von vergangenen uns Welten trennen.

27
Dez
14

Opposition!

Ich wollt es im Leben niemals glauben,
doch wieder geht es strack drauf zu,
was ich sehe heut mit eignen Augen:
Der Geist von gestern gibt nicht Ruh.
Wieder Kreuzen die extremen Klingen,
nach all dem Blut, Opfern ohne Zahl,
wieder hört man sie Parolen singen.
So geht es zu auf’s letzte Mal.

Scheinbar will es kein Mensch kapieren,
wo nichts bleibt, wenn man sich trennt,
außer Verstand, den wir alle verlieren,
wenn der „Kluge“ sich im „Dummen“ kennt,
weil die einen sich bestätigt sehen,
wenn sich ein andrer dümmer fühlt,
will man hier wie dort nicht verstehen.
Wenn jede Welle hin zu Rändern spült.

Nach Jahrhunderten voll Leid und Tränen,
ist, was allen von gestern bleibt,
Menschen, die sich nach Sicherheit sehnen,
Menschen, die die eigne Angst umtreibt,
Menschen, die sich einsam auflehnen,
gegen Gestern. Heut vor  Ort.
Menschen, die sich im Extremen sicher wähnen.
All die Menschen treibt es weiter fort.

Ob sie im Gleichschtritt bei PEGIDA traben,
ob man vor Rednerkanzeln steht,
mir scheint, das sie gemeinsam haben:
sie wissen längst, wohin die Reise geht
und die tiefe Angst vor’m eignen Wesen
definiert zu oberst das Sein,
woran die Zukunft der Welt soll genesen.
Redet man sich Überzeugung ein.

Dabei brechen selbst gelenke Hacksen,
weht von gestern starker Gegenwind,
wenn in krankem Boden Wurzeln wachsen,
blühen Eichen, die urdeutsche sind,
wenn sie das Restholz bloß vor Köpfe nageln.
So hält es sich wohl besser fest.
Während Bomben fallen. Kugeln hageln.
Geben wir uns schon vorab den Rest.

Ich lasse mich weder belehren,
nicht von Fachchinesisch oder Fachidiot,
der sich diese Welt kann gut erklären,
attestiert er dem Patient den klinischen tot.
Noch lasse ich mich anstecken,
von Gier, Neid oder Fremdenhass,
um jeden Meter, um’s Verrecken.
Ich kämpf um Boden für das Fass.

Trotz zu viel Straße und zu vielen Drogen,
blieb ein Feuer, das mein Nest noch wärmt,
wenn ich ehrlich bin: Ich habe oft gelogen!
Doch mein Herz hat lang nicht ausgeschwärmt!
Meine Hand, sie will sich jedem gern reichen,
oder keinem, denn: Wer bin ich schon?
Komm! Wir setzen Segel! Setzen Zeichen!
Komm! Wir beziehen zusammen Oppostition!




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