Archiv für März 2020

30
Mrz
20

In einer fließenden Bewegung

Wo’s im Magen brennend södert,
wo Andy in den Augen scheuert,
wo das Konto „Gerhard!“ schrödert,
wo altes Lied „Reform!“ beteuert,
wo der Jens zu eingespahnt
sich selbst zersägt in kleine Spähne,
dort wächst heran, was keinem schwant,
denn: wo man hobelt, fallen Schwäne.

Wo sie an den Zäunen rütteln,
die sagen: ihr müsst draußen bleiben,
sich als Schlüssel aus den Ärmeln schütteln,
um als Teil des Zauns es fort zu treiben –
dort sind sie als Mensch hinüber.
Für Schlüssel ist das Loch gemacht.
Wer kämpfen kann, der schwingt sich drüber
und stiehlt sich raus in einer Nacht.

30
Mrz
20

Eisenschmerz

Die Sonne hört nicht auf zu scheinen.
Finsternis macht sich nichts draus.
Wie scheinbar immer möcht man meinen,
nur Klopapier lockt noch hinaus
und ihr dimmt das Licht und Schüsse,
Schreie, gehen unter im Applaus,
ihr nickt im Takt Breakdownkopfnüsse.
Leben zieht’s zum Fenster, raus.

In kalte Kammern teilt der Dealer
die letzten, schärfsten Klingen aus.
Mit offnen Wunden bluten Spieler
Burggräben um das Kartenhaus.

26
Mrz
20

Die Echten

Ich kann mich selbst im Spiegel sehen.
Kaputt genug, um durchzudrehen.
Ihr? Brecht die eignen Kinder krumm,
toll designed by Heidi Klum.
Nichts seh ich im Spiegel stehen,
muss suchen, gehe aufstehen,
sie kommen mich zu suchen,
zu finden Grund zu fluchen,

ich finde Kinder, die sie holen,
Kindheiten, die sie fort gestohlen,
ich weine in dem Wissen:
muss meines vielleicht ewig missen,
vielleicht hab ich’s längst verloren.
Vielleicht wird es nie geboren.
Ein Bündel und ein Kuss,
eine Träne in dem Fluss

wird mit dem Lied von oben,
das sich zum Besenstiel erhoben,
durch kühlen Kopf und Schlinge
verwoben in die Dinge,
wenn es weiter als ganz  unten
einen Lumpen aufgefunden,
ausgelaugt, federweiß,
vollgesaugt mit all dem Scheiß,
werden wir durch’s Leben schwingen.
Vielleicht Dinge in Bewegung bringen.

Er wundert sich, der brave Bauer
zitternd vor der Firepower?
Da muss ich leider lachen.
Er kann Dreck nur machen,
fleißig Westen weiß wischen.
Viel zu faul, sich einzumischen.
Sein Leben sitzt als Arsch im Ziel,
Meinen setzt ich auf das Spiel,
wofür das brave Bäuerlein
sich selber leider viel zu fein.

Tschüss, mein Kind. Ich liebe dich,
vielleicht vergibst du mir, vergeb ich mich
und wir stehen auf und singen,
zwischen schwarzen Zähnen schärfste Klingen
und es steigen ein durch’s Fenster
Albtraum und Gespenster,
während sie vor’m Spiegel stehen
und den Dieb nicht kommen sehen.

26
Mrz
20

vom faustpfand

und während
letzten tagen die
immer dunkler werden
hörten sie endlich auf
sich zu wundern
warum sie vor dem spiegel
kniend
immer geiler werden
und während die knechte
vergnügt quietschend
so immer weiter
auf sich herum sprangen
und trampelten
kriechen die kinder
der könige
von gestern
schreiend und schweigend
liegend und stehend
blutend
auf dem boden
und sammeln
die scherben
das letzte bisschen
faustpfand
für morgen

und als sie
meiner aus verachtung
neu geborenen liebe
gnädigerweise
audienz gewähren
um mich gnädigerweise
aus verachtung
anzurotzen
lasse ich ihn
endlich fallen
den stein
den fels
den berg
von meinem herzen
und ich binde ihn mir
um die beine
und ich stürze mich
in die fluten
und aus dem nichts
erhebt sich ein drachen
in den gegenwind
und reißt ihnen
mit einem biss endlich
die ganze scheiße
von den schultern

und endlich hat sich’s
uns endlich
hat sich’s

24
Mrz
20

nur dreck

Aus faulen Äpfeln eurer Augen
scheint’s stets bitter, was ich pflück.
Wie sie mich sehen, kaum zu glauben.
Ich dreh mich um, schau zurück,

ich sehe keinen Sandkasten,
ich finde keine Wiege.
Kalte Decken. Warme Altlasten
unter Brücken, wo ich liege,

geh ich im Handstand über Kohlen,
Schmerz barfuß durch den Kalten.
Lebt wohl, ihr leisen Sohlen.
Mein Hirn, es ist kaum auszuhalten.

Ein Herz find ich nicht beim wühlen.
Nur Dreck, den ich mir gebe.
Unter schwarzen Nägeln ist es schwer zu fühlen,
ob ich sterbe oder lebe.

24
Mrz
20

Vom Lebenslied

Eure Köpfe werken knallend Feuer,
wo’s Rassen über Herzen zieht,
zahlen Menschen immer teuer.
Tüchtig, wie das Leben flieht!
Wenn eure Hände fiebrig zittern,
finstre Seelen grinsen freudig,
zu sicher vor den Stahlgewittern,
blitzt es unter’m Stahlhelm räudig.

Keiner wird das Leid je lindern,
schrillste Schreie finden Ruh,
wo Kehlen nie den Druck mindern,
schnür’n die Schüsse Hälse zu.
Aus dem Wald ein Taumeln
zur Axt, die ihn zum Fallen bringt,
zu Ärschen die von Decken baumeln,
wo jedes Wort nach Tod längst klingt –

holt die Gatling aus Wolfsschanzen!
Die Herren Söder, Scheuer, Spahn,
lasst die Asylanten tanzen,
Leben, Leben! Aus der Bahn!
Bringt euren Strom auf die Zäune,
zieht ihn aus, den Stacheldraht,
suhlt euch in der deutschen Bräune,
fühlt euch gut ob schlechter Tat!

Ihr müsst das Leben doch genießen!
Wer Opas Wehrmachtswaffen hat,
nach Syria! Zum Resteschießen,
Faschisten! Ballert Blutdurst satt!
Es tut so weh, was wir euch schufen,
Kinder, Kinder, hört ihr noch
laut „Essen!“ eure Mamas rufen?
Kinder, Kinder müsstet doch

die Aufgaben zuerst machen!
Kinder, Kinder, wie er roch,
ihr treuer Duft aus euren Sachen.
Vor Leichenberg und Bombenloch.
Kinder, Kinder wie sie Blumen
für die schönste Vase schnitt!
Ich sammel Samen, sammel Krumen
werf sie um mich, nach dem Ritt

durch die innren Minenfelder
wird sich mit der Faust gesprengt.
Durch Ödland, Auen, Wiesen, Wälder,
im Schauhaus mehrfach abgehängt.
Ich sehe meine Seele fliegen,
bittet nur drum, nie zu ackern,
wo sie in den Gräben liegen.
Hab im Hirn nur noch ein Flackern,

im Herz die Explosionen,
im Hinterkopf nur noch die Tür
vom Haus, wo die Dämonen wohnen,
ein rotes Herz und Grund wofür,
was ist Liebe, was ist Leben?,
fragt mich mein verwirrter Sinn,
vielleicht wusst ich’s noch. Grad eben.
Kinder, ohne Ahnung, wer ich bin,

will ich mit euch neben Schüsseln zielen,
mich in warme Arme kuscheln,
leben für die Lust am spielen.
Durch ihr wirres Haar zu wuscheln,
fühlt es Brüder! Fühlt es Schwestern!
Ich höre eure Hoffnung flüstern,
erhebt sie aus den Herzensnestern,
noch züngeln Flammen wild und lüstern!

Ich lass zur Musik die Füße tanzen,
geb alles fort, was ich noch hab,
ich schmeiß Noten um mich, um’s zu pflanzen.
Unser Lebenslied um’s Massengrab.

24
Mrz
20

Im Winde

Ich wüsst, ich wüsst so gerne:
Baby? Kommst du Heim an Land?
Ich höre Schreie in der Ferne,
in mir nur noch Wind und Sand.
Am Horizont spür ich das Ende
in das du schweigend fällst,
streck so weit ich kann die Hände.
Hoffe, dass du fest dich hälst.

Ich küss dich unter weißer Decke
dunkler Nacht im Himmelbett,
hoff ein Tag auf halber Strecke
macht eines Tages uns komplett.
Ich weiß, ich weiß, dass diese
Liebe hier für immer bleibt,
die zarte Hand in kalter Prise
die Worte mir in Winde schreibt.

24
Mrz
20

thrilla in kopfvilla

 

Ich reiße es auf und puste dich weg,
ich wachse drauf und hacke dich klein,
weißester Schnee, schwärzester Dreck,
geschlossener Kreis, schnurgrade Line,
vom Boden weg, nicht zu zügeln
bis brennend Sonnen Schwingen bügeln,

Richtung Spiegel fällt ein Einsehen.
Ebbe, Wind, Sand und Fluten,
ein klarer Blick, ein Augendrehen,
Lebensgeister die aus Scherben bluten.
Frei weg vom Tal, frei weg vom Hügel,
Wasser für Mühlen, Winde für Flügel.

Ein Keuchen, ein Ausprusten,
in der Luft, Pulver, deine Konturen
die sich selber schützend mir was husten,
von uns zu uns führen Spuren,
an die Wand zu größten Schatten
kämpfend für das, was wir niemals hatten.

Komm Keule, lass uns alles geben!
Wo Sirenenstrobo flackert rot,
lass uns kämpfen um das Leben,
in die Fresse aus der Not!
Mit der Power, die wir uns zuschoben
von oben nach unten, von unten nach oben!

Komm, komm! Lass krachen, Keule!
Wo sie Scheiße schmeißen wie die Affen,
vor Geier, Zecke, Unke, Eule,
Gescheitelten durch Tod, Krieg, Waffen,
lass die Schatten boxen, Fäuste heben,
bis sie sterben um uns auszuleben.

24
Mrz
20

umgedeutet

Du bist geil auf Quarantäne?
Aas! Du wurdest zur Hyäne!
Leckerste Sozialdistanzen
haust du fett dir in den Ranzen,

endlich frei von dieser Welt,
nicht wissend, was sie von dir hält,
ganz genauso andersrum
glaubst du, fast nur bisschen dumm:

tot schweigen in der Stille,
sei unerhörtem Herzen Wille.
Wo der Groschen bis ins Leere fällt
durch’s Hirn, das von sich selbst umstellt.

13
Mrz
20

multiresistent

Wir leben im Sterilen,
wo keiner mehr was fühlt.
Bleibt ein Gefühl von vielen,
das unter null uns kühlt.
Was du tust? Du bangst, bangst,
was du fühlst ist Angst, Angst

vor’m Punkt vor dem wir fliehen,
vor’m Punkt an dem es endet,
wo wir neue Bahnen ziehen,
wenn das Blatt sich wendet, wendet!
Der Wahn wird nehmen, nehmen
aus wehrlosen Systemen, Themen

die den Mensch bewegen?
Brauchen einen Feind.
Die, die ihn mit Lärm belegen
in trauter Angst vereint.
Psychisch krank, vielleicht dement?
Infiziert von dem, den keiner kennt,

wo wir nun an Viren, Viren,
strikt von uns getrennt,
endgültig den Verstand verlieren,
wächst multiresistent
vielleicht, was du verloren.
Mensch, vielleicht. Wird am Ende neu geboren.




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