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18
Apr
21

Angst vor der Gemeinsamkeit

In tiefem Schnee Saharastaub,
Weitblick, nur um eng zu sehen;
die Hingabe beim Seelenraub,
Stillstand, bloß um weit zu gehen.

Verschlossen starren wir zur Tür,
schweigend gibt sie zu verstehen:
in Einsamkeiten findet ihr
Gründe, nicht hindurch zu gehen.

18
Apr
21

Haltet durch!

Psychose, Angst und Depressionen
braucht die Gesellschaft, sich zu schonen –
warum Dämonen in den Guten wohnen?
Für den Schmerz muss es sich lohnen!
Er kommt um richtig fett zu fressen,
kann dort nur wie ein Geier kreisen
wo Gefühl ist, um’s zu stressen.
Er kann dort sich nur festbeißen,

wo verdrängt wird, nicht vergessen.
Er kann sich nur an dem auslassen,
der zum nehmen was besessen –
an alle, die nicht allen passen!
Ja, er kommt, um euch zu holen.
Ja, er kommt, um euch zu brechen.
Ja, er wurde abbefohlen
von denen, die gern groß sprechen!

Holt den Teufel von den Wänden
und malt ihn auf die Fahnen,
stemmt sie mit den eignen Händen
über die genormten Bahnen!
Steht auf! Steht auf! Bleibt nicht liegen!
Stellt euch taub und blind!
Lasst die Tränen windwärts fliegen!
Landen, wo sie sicher sind.

Haltet durch, wo sie sich berauschen
an eurem Leid und euren Drogen,
auch ihr, ihr wollt nicht tauschen!
Ihre Angst ist weggelogen!
Ihr wisst, wovon ich spreche!
Dazwischen kann es einen lähmen.
Ob ich fliege, falle, breche?
Stolz sein? Mich zu Tode schämen?

Ob Bahnhof, Kneipe oder Schuppen!
Haltet gut euch an euch fest!
Haltet durch, um zu entpuppen.
Die Zeit besorgt zur Zeit den Rest!
Verschenkt, was sie euch fort genommen,
so kann’s euch keiner rauben.
So wird die Zeit bald kommen?
Sicher! Wenn wir daran glauben!

Was nützt uns dies Gedinge
am Geist und an der Kehle?
Warum ich unter Schmerzen singe?
Ich glaube an die schwarze Seele,
die sie priesternd stets verfluchen
weil ich an Augenringen zähle:
Zeit ist alt. Muss Neue suchen.
Weil ich mir sonst selber fehle,

werf ich ins Dunkel einen Kuss,
ohne Plan, wie weit ich gehe
hole ich mir, was ich haben muss.
Was ich in ihrem Wort nie sehe
zwischen schwarz und grellem Licht,
wo ich sage: Mach ich! Klar!,
wo man gut sagt, glaubt es nicht,
wo meine Blicken legen dar:

Ich kann hier niemals wirklich leben.
Zum Kleinermachen werde ich nicht groß.
Hab null Bock nach Geld zu streben.
Ich geb nicht auf. Ich lasse los!
An jeden Grund mich nicht zu hassen,
den von hier sie fast vertrieben:
Halte durch! Du musst dich lassen!
Lass uns lernen neu zu lieben!

Komm, lass es uns gemeinsam fühlen!
Komm, wir sprengen diese Wand!
Komm, lass dich durch mich aufwühlen!
Komm, setz die Welt in unsren Sand!
Komm, lass uns unsre Augen schließen,
hier und jetzt – was siehst du dann?
Tränengießen, Feuer, Lebensprießen?
Halte durch! Ich glaube dran!

17
Apr
21

Loblied auf die FDP

Sie fliehen vor’m Verderben.
Vor Bomben, Leid und Tod.
Sie mussten Armut erben.
Ohne Hoffnung, mit kaum Brot.
Ich wurde reich rausgeschissen.
Ich, ich muss zur FDP,
weil ich glauben will, so sei’s okay
sind andre aufgeschmissen.

Ich ziehe für sie Konsequenzen.
Ich wahr nur mein Gesicht.
Ich schließe um mich alle Grenzen.
Ich mache um mich alles dicht.
Ich lasse sie ertrinken,
ich, ich fühl mich frei –
ich, ich denk mir was dabei
wenn andere zu Grunde sinken.

06
Mrz
21

Feierabend!

Ein ganzes Volk verliert das Lachen,
stumpfe Zähne bluten braun,
blaues Blut in falschen Drachen
schützt ein meterhoher Zaun,

und ich? Ich soll es lassen?
Ihr fragt mich, warum nicht?
Ich könnte es nicht mehr hassen!
Ihr verurteilt? Seid Gericht?

Ich spring nicht über Klingen
damit es euch die Kasse füllt,
werd nicht eure Hymnen singen,
weil das Leben laut sie brüllt!

Noch pfeifen müde Stechuhren
den Befehl am letzten Loch,
noch seh’n wir Menschen spuren,
tun und machen unter’m Joch,

noch produzieren Fließbänder
das Personal vom Band,
noch infizieren Neonblender
guten Geist mit Schattenbrand,

noch halten eure Baukräne
eine Wirtschaft, die längst hinkt,
noch schippern die Transportkähne
während dieser Dampfer sinkt,

noch heilen irre Psychologen
uns die armen Kinder krank,
noch heilt ihr Sucht mit Drogen,
noch heilt ihr Willen schlank,

noch lasst ihr  Bomben fliegen.
Für Frieden? Blanker Hohn!
Noch verliert in euren Kriegen
stolz die Mutter ihren Sohn,

noch bunkert ihr in Tresoren,
noch macht Geld Arme arm,
noch regieren uns die Toren,
noch hält Macht euch warm.

Noch existieren wir in Schichten,
doch Feierabend! Er ist nah!
Dann ist Ende? Nein! Mitnichten!
Denn am Ende sind wir da!

30
Apr
20

endlich wider (2)

Jeden Morgen hin zur Arbeit laufen,
jeden Morgen Kühles schwitzen,
jeden Morgen kalten Kaffee saufen,
jeden Tag ein Stück abnützen.
Einen Morgen dann gerufen werden,
bevor am Amt er wieder sitzt,
um einzuseh’n: umsonst geschwitzt
ist Recht und so auf Erden.

Jeden Morgen zwei, drei Nasen.
Keine Träne um sein Leben.
Früher waren das mal Phasen:
Keiner Sau die Hand geben.
Keinen mehr besuchen.
Keiner hat’s für mich getan.
Kein Gefühl und keinen Plan.
So wird ohne Grund zu fluchen

wieder morgens was gezogen,
wieder abends drum gelaufen,
wieder tags sich selbst belogen,
wieder nachts sich Zeug zu kaufen,
wieder bis zu letzten Resten,
wieder ohne morgens krank,
räumt er wieder seinen Schrank
wieder mal zu Einem Besten.

Wieder schläft er lange,
wieder weckt ihn dieses Bellen,
wieder wird ihm Angst und Bange,
Gedanken, die in Gummizellen
wider dieses Urteil fällen:
nie wieder dort hinaus!
Keine Frau! Kein Kind! Kein Haus!
Wider Brandmarken und Schellen

seh’n sie plötzlich ihn marschieren,
seh’n sie plötzlich seiner viele,
wieder ohne zu kapieren
Regelwerk der finstren Spiele:
Letztlich wird der Geldsack blechen
endet endlich diese Not,
wird außen hart und innen rot
das Leben sich für Ihres rächen.

 

28
Apr
20

viel mehr

Was du willst, ist all das haben?
Was es hier für mich nie gab?
Dich tot zu schweigen und zu laben?
Von der Wiege bis ins Grab
stand ich auf und komm nicht wieder.
Nur ihr ward da, die ganze Zeit.
Euer Herz und unsre Lieder.
Was ihr ansaht, tut mir Lied!

Ihr saht, wie sie mich rupfen.
Ihr ließt es Federn regnen.
Ich hörte euch die Saiten zupfen.
Ich hört euch Leid durch Noten segnen.
Ihr seht mich fallen, seht mich rennen,
ihr hört mich klagen, singen,
ihr saht mich lügen, saht mich flennen.
Unser Lied, nun lasst es klingen.

Seht ihr es durch’s Leben heizen?
Während Zylinderträger, Schicksen,
während sie die Beine spreizen
das eigne Ego vollzuwichsen,
während die Verlierer loosen
laufen Zwölfzylinder, selbstgebaut,
die Vollgas Richtung Ende cruisen
durch all das, was sich aufgestaut.

Könnt ihr sie hören, unsre Lieder?
Ihr müsst ans Fenster gehen!
Legt sie auf und hört sie wieder!
Fangt mit an, den Film zu drehen!
Hört ihr die Motoren heulen?
Seht ihr Aufruhr, blaue Lichter,
die Ratlosigkeit der Pestbeulen,
das Ätzende, die Arschgesichter?

An jedes Lächeln, echtes Lachen,
an jeden, den sie rümpfend meiden,
an die Trauer und das Sorgenmachen,
an jeden Schmerz und all das Leiden,
an die Getretenen, Getoppten
die sie einsperren und halten –
an die Geschlagnen und Bekloppten!
Lasst es uns nun selbst gestalten!

Unsre Flügeltüren stehen offen!
Dreht eine Proberunde! Bald!
Den Schlüssel habt ihr! Euer Hoffen!
Wer’s nicht kann? Lernt laufen halt.
Was euch hält, das lasst links liegen!
Wir werden auf dem Teppich bleiben,
denn unser Teppich, der kann fliegen!
Leben heißt, es wild zu treiben!

Scheißt auf alles, was ihr solltet!
Wir bitten euch, ein Teil zu sein,
zu tun, was ihr schon immer wolltet.
Wenn’s euch abfuckt, dann haut rein,
wenn’s euch quält, dann lasst es wissen,
nehmt euch endlich, was euch fehlt,
wenn’s egal scheint, drauf geschissen –
lernt es lieben, wenn’s beseelt.

Was du liebst, musst du nun lassen.
Verlerne, dich dafür zu schämen.
Bald hörst du auf, dich selbst zu hassen.
Wenn es will, dann lass es nehmen.
Am Ende ist mir nichts geblieben,
dem Leben sag ich: Danke sehr!
Ihr habt gelernt, euch selbst zu lieben,
ich weiß nun: es liebt mich mehr.

19
Apr
20

Planeten! Ihr!

 

Tanzt und singt, Planeten!
Macht Melodie beim kreisen
über Dörfern, über Städten,
im Lauten und im Leisen
fallt mit Regen, fließt in Flüssen.
Ihr müsst tanzen, ihr müsst singen
zwischen Liebe, zwischen Schüssen
euren Weltentanz zu bringen.

Hört und seht, Planeten!
Mein Stift zieht seine Bahnen
von woher die Winde wehten,
bis wohin die Hirne ahnen
werde ich den Kreis umreißen
in ihm diese Welt zu binden,
im Lauten und im Leisen.
Bis sie inmitten Herzen finden.

Planeten bewegt schneller
was eure Kräfte stark anziehen,
erleuchtet und macht heller
Orte, an die Menschen fliehen.
Durch die letzte dieser Türen
werd ich gehen, drinnen malen,
Farben, die Gefühl verführen –
leuchten lassen gegen Qualen.

Planeten lasst sie brennen –
alle Wege, Häuser, Türen,
lasst sie tanzen, lasst sie rennen.
Planeten lasst sie Himmel spüren!
Planeten, lasst die Kreise führen!
Wenn sie das Bild am Himmel sehen,
Rauch sich legt und Tränen rühren.
Wird ihr Herz ins Lied eingehen.

12
Apr
20

Irgendwo

In jeder Nacht hör ich dich schreien
und Bomben fallen in das Friedensgebiet
und ein Echo lässt es schneien.
Kalenderblatt, wo Sturm aufzieht,
es fegt durch’s leere Kinderzimmer.
Die Fotos sind lang abgeräumt.
Ich wein an unserm Strand, wie immer
platzen Träume aufgeschäumt.
Ich bleibe hier an deiner Seite sitzen.
Du schläfst, ich halt die Hand.
Ich spüre deine Träume schwitzen.
Irgendwo geht was an Land.

Du hast die Hoffnung mir genommen.
Liebe blieb. Sie glaubt daran,
ließ Verzweiflung, nass, beklommen,
wo zu fließen Zeit begann.
Meine ist Dank dir gekommen.
Dank dir nur kam sie an.
Sie trieb fort, ich bin geschwommen
wo sie runter zieht, wenn sie es kann.
Du sprichst im Schlaf vom Müssen.
Dunkel, was nicht von uns lässt.
Ich bleibe, dir die Stirn zu küssen.
Deine Hand, ich halt sie fest.

Die Freiheit ist Dank dir gegangen.
Ich sagte ihr, das passt
in Einzelhaft, wo wir gefangen
fiele ich ihr bloß zur Last.
Dank dir sehe ich sie machen.
Sie schreibt mir, habe Mut.
Ich hör uns Morgen drüber lachen.
Siehste wohl! Mir ging’s doch gut!
Du hast mir meinen Rest gegeben.
In Flammen ging er auf, der Rauch.
Du nahmst mir meinen Grund zu leben.
Ich merkte, dass ich keinen brauch.

Raus aus dem Verderben!
Es rennt seither zu dir mein Fuß.
Es hörte auf zu sterben,
was auflebt seit dem Abschiedsgruß.
Baby, Baby, bitte glaube.
Was immer auch geschieht.
Das Leben hat ein Auge,
das Unbeweintes sehr wohl sieht,
es gibt Gründe zu erkennen,
wenn wir einfach welche sind.
Wenn wir einfach darin brennen,
sind wir Sand im Gegenwind

wird es uns mit Regen segnen,
wenn die Träne aus den Fenstern schießt,
wenn wir uns in ihm begegnen,
wenn der Weg mit uns ins Leben fließt,
wird der letzte Tag ein Neuer –
wo Blitze waren, Licht.
Auf der Fackel wird das Feuer
tanzen. Baby, es verlässt dich nicht.

Dank dir habe ich, wo Bomben fielen
meinen Frieden längst gemacht.
Ich höre irgendwo die Kinder spielen.
Ich lieb dich, Baby. Gute Nacht.

09
Apr
20

Ich dreh mich nicht mehr um

Weine nicht, Eurydike.
Folge deinen Träumen stumm.
Sie gehören dir nur, diese Blicke.
Ich dreh mich nicht mehr um.

Weine nicht, Eurydike.
Diese Harfe spielt nicht krumm.
Nur du bezauberst Geist, Geschicke.
Ich dreh mich nicht mehr um.

Weine nicht, Eurydike
im Siebensündenvakuum.
Komm, Unterwelt! Komm, Liebe. Zwicke.
Ich dreh mich nicht mehr um.

Weine nicht, Eurydike.
Sticht deine Rose, summ.
Summ mir Herzblut in die Blicke!
Ich dreh mich nicht mehr um.

08
Apr
20

Sonnenaufgangslied

Wo bald die letzten Augen schließen,
lass uns einen Tanz noch wagen,
wo Tränen Bäche trocknen ließen.
Lass uns Ströme durch sie jagen,

endlich will ich wirklich leben,
es soll mich über’s Grüne führen,
unter Füßen soll die Erde beben!
Ich lasse dich die Umwelt spüren

in Leidenschaften neuer Lieder,
über Dörfern und Großstädten
fliegen mit uns Bienen wieder.
Blühen Blüten die drum flehten.

Lass uns fliegen über Abwegen,
Schlachtfeldern, Leichenbergen,
lass wie der Wind den Staub fegen.
In Gärten, über Gartenzwergen,

über Straßen, rote Ampeln,
bis wir die Morgensonne sehen,
lass uns tanzen, lass uns strampeln.
Bis wir ganz am Anfang stehen,

lass weg vom Gipfel, lass beisammen,
bis Himmel und bis Horizont,
lass die Menschen uns entflammen.
Anbrennen gegen Finsterfront.




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