Ausgeträumt?

Morgens, kurz nach halb zehn. In Deutschland.
Leicht verkatert erhebt er sich aus seinem Bett, ohne wirklich zu wissen, was das Unwohlsein bedingt, das ihm auf den Magen schlägt.

Ohne wirklich zu wissen, was er gestern eigentlich getan hat.
Beim Versuch sich zu erinnern, erinnert er sich gelesen zu haben. . In einem Buch, er erinnert sich gekommen zu sein bis Seite sieben, sie handelte vom Tag der Ruhe. Also muss er beschlossen haben zu ruhen, denn schließlich haben wir nun Sonntag.

Beim Blick durch sein Zimmer fällt ihm auf, das zwar nichts zu fehlen scheint, doch alles ist bedeckt von Staub. Es ist so staubig, dass die Gegenstände, die ihm eigentlich so viel bedeuten, durch die er bedeutet, gar nicht mehr zu erkennen sind.
Also ist aufräumen angesagt. Er beginnt Staub zu wischen. Beginnt beim Spiegel, schließlich will er gut aussehen. Nur für den Fall, dass er gesehen würde.

Beim Atmen wundert er sich kurz, ob er denn vergessen hätte, zu heizen, denn er kann seinen Atem sehen. Deutlich, als wären es in seinem Zimmer weniger denn zehn Grad.
Noch wunderlicher ist ihm, dass er trotz der bitterlichen Kälte nicht friert, kein Stück, trotzdem beschließt er zu heizen. Nur für den Fall.
Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit ist es mollig warm, nach Thermometer genau Zimmertemperatur.

Das trotz der Wärme weiter sein Atem in der inzwischen nicht mehr nur staubigen, sondern nun auch noch trockenen Luft seines Zimmers zu sehen ist, es stört ihn nicht weiter.
Schließlich fühlt er sich wohl, also wird schon alles seine Richtigkeit haben. Und so macht er sich wieder daran, seinen Spiegel weiter zu reinigen.

Auf dem Weg durch sein Zimmer stolpert er mehrmals über das Buch, von dem er sich jetzt wieder sicher ist, ein Stück gelesen zu haben, aber da es ihm momentan eh nur im Weg ist, nimmt er es kurzerhand und wirft es einfach in den Müll.
„Hab gehört die Fortsetzung ist eh bald fertig“.

Und zack, weg war´s.
“Noch schnell das Radio an, da geht das mit dem Putzen gleich nochmal leichter von der Hand“, doch bei der Einstellung des Senders ärgert er sich kurz.

Auf allen Kanälen das Gleiche zu hören, nichts als sirenenhaftes, sich dauernd wiederholendes Singsang dröhnt aus seinen Boxen.
„Egal, man gewöhnt sich an alles“, denkt er sich und als die kreischenden Hochtöne das Glas seiner ihn mit der Aussenwelt verbindenden Fenster zum Bersten bringen, ist er endgültig überzeugt, das Radio anzulassen.
„Von wegen viel Lärm um nichts“ denkt er und um nicht das Risiko eingehen zu müssen noch einmal Scherben zu kehren, nimmt er einfach Bretter und nagelt sie zu, die geblieben Löcher in der Wand, „schließlich heizt man ja nicht für die Katz“.
Trotz der Unmengen an Staub, die sich nach wie vor in seinem Zimmer befinden, macht er sich wegen Belüftung keinen weiteren Kopf, schließlich kann er ja noch die Tür aufreissen.

Als er also seinen Spiegel gereinigt hat, „endlich“, beginnt er auch direkt und in aller Ruhe mit der Körperpflege, wie gewohnt.
Duschen. Cremen. Stylen. Vor den Spiegel. Wohlfühlen.
Bei der Betrachtung seines nun makellosen Ebenbildes muss er kurz über sich selbst lachen, denn wer soll ihn eigentlich noch sehen, jetzt wo die Fenster vernagelt sind…?
Der Spiegel kommt ihm kurz, einen kalten Schauer andauernden Moment lang vor, als sei er das letzte ihm verbliebene Fenster zur Welt.

Als hätte er seine Augen nur noch, um zu sehen, wie er wohl aussieht, würde er gesehen. Nicht um selber einen Blick in die Welt zu werfen…

„Egal, gut siehste aus“, denkt er sich und macht sich weiter daran, seine Schätze zu bergen, die ihm die Zeit, wohl weil er nachlässig war, unter einer dicken schicht Staub vergrub.
Er beschließt, als nächstes den Fernseher zu reinigen, denn: Wie soll er sonst sehen, was so los ist in der Welt, jetzt so ganz ohne Fenster?
Das er seine Arbeiten verrichten muss im kühlen Licht eines Deckenstrahlers und nicht unter den wärmenden Strahlen der Mittagssonne, es lässt ihn kalt. Jetzt. Wo er doch so gut aussieht.

Nachdem auch das zweite Tagwerk verrichtet ist, beschließt er direkt ein bisschen rumzusappen, „wozu hab ich die Kiste schließlich geputzt“, denkt er sich und lässt sich auf der immernoch staubbedeckten Couch nieder, kurz lächelnd über seinen Geniestreich seinem kalten Hauch noch Nützlichkeit abgerungen zu haben. Beim Putzen des Spiegels, beim Putzen des Fernsehers..

Kanal eins. Eine Reportage über die Politik, genauer ist es eine Reportage über einen Tag im Leben eines Politikers.
„Interressant“ denkt er sich und beschließt mal weiter reinzuschauen.
Die Reportage beginnt an einem Morgen. Sie zeigt den Politiker auf dem Weg zur Arbeit, immer die Augen offen, die Ohren offen, um die von ihm, als bahnbrechend geltenden, auf den Weg gebrachten Rahmenbedingungen für das Funktionieren.unseres Zusammenlebens in der heutigen, modernen Realität umgesetzt zu wissen.

Auf seinem Weg durch Berlin, zur Arbeit, passiert er ein Fixerstübchen, an dessen Tür fett ein „No smoking“-Schild prangert. Schließlich ist seit der Regelung des Rauchverbotes das Rauchen in öffentlichen Räumlichkeiten nicht mehr gestattet.
Und doch. Einer wagt es tatsächlic!
Völlig entrüstet springt der Politiker zur Tür, reißt sie auf und beginnt sofort entschlossen zu maßregeln: „Machst du die Zigarette aus“, brüllt er, „ sieh ihn an deinen Freund, den neben dir, kann vor lauter Qualm hier in der Bude ja kaum noch die Augen offen halten!“.
Natürlich überwacht er höchstpersönlich, dass die Zigarette noch direkt in einem Gulli verschwindet, bevor er sich weiter auf seinen Weg macht.
Freundlich begrüßt er jeden, den er auf seinem weiteren Weg begegnet, ganz bürgernahe.

Er trifft sogar einen Bekannten, aus den Kreisen der oberen zehntausend. Natürlich lässt er es sich nicht nehmen, sich um das Mädchen zu sorgen, dass dieser an der Hand hinter sich herzerrt.
Der bereits das gelbe aus den Augen quillt. Die kaum noch die Kraft hat zu stehen. Und schon gar nicht den Willen, noch irgendwie widersprechen zu können.
„Achten sie ein bisschen auf ihre Tochter, mein Lieber“ empfiehlt er sorgsam, bevor er sich weiter auf den Weg macht, sich seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern selbst zu schreiben.
Fünf Minuten Werbung, denn wen interessiert schon der Ablauf einer trockenen Bundestagssitzung?
Die nächste Einblendung beschreibt dann schließlich einen zufriedenen, wichtigen Menschen auf dem Heimweg, nach getaner Arbeit.

Und lange hat er gearbeitet, finster ist es geworden. Und kalt, seit Dienstantritt bis jetzt, zum Dienstende.

Gerade noch hell genug ist es, um das Mädchen, dessen mutmaßlichen Vater er doch noch gewarnt hatte, tot auf dem Bürgersteig liegen zu sehen. Nackt.
Entschlossen räumt er sie beiseite, damit ja keiner fällt.

Denkt sich noch „diese Flatrate-Partys, ich habs ja immer gesagt“ und macht sich am Ende in der Gewissheit auf den weiteren Weg, alles wichtige, menschenmögliche getan zu haben am heutigen Tage.

„Idioten“, denkt er, und schaltet einfach weiter. Mitleid mit dem Mädchen oder den Junkies kommt kaum auf, oder gar sowas  wie ein Gefühl, helfen zu wollen, „schließlich sind die ja inzwischen eh alle Tod“.

Außerdem sind die Fenster ja praktischerweise vernagelt, sodass er sich das Unheil erst gar nicht mit ansehen muss.
„Mir hilft ja auch keiner“, denkt er sich und beschließt, aufgrund der anhaltenden Schreckensmeldungen über Wirtschaftskrise, steigende Preise und steigende Armut die Tür ebenfalls zu vernageln.

Genug Geld hat er, genug zu Essen auch. Nicht das noch jemand auf die Idee kommt, ihm etwas wegzunehmen. Schon gar nicht sein kostbarstes: Seine Zeit.
Bevor er jedoch die Tür endgültig schließt holt er noch die Zeitung von heute und die angekündigte Fortsetzung des entsorgten Buches, aus Angst vor Langewile.
Nach lesen ist ihm zwar nicht wirklich, doch die Karikaturen auf Seite eins der Zeitung lässt er sich natürlich auch heute nicht entgehen.

Eine ist es, sie trägt den Titel „Solidargemeinschaft“, sie bildet in der Hauptsache einen Tisch ab. Einen eigenartigen Tisch, denn er hat lediglich ein Bein, das auch noch genau mittig.
Auf dem Tisch liegt eine Speisekarte, ein Dreigänge-Menü namens „Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft“ wird schmackhaft gemacht.

Doch leider sind die abgebildeten, auf dem Tisch umherirrenden Menschenmengen nicht in der Lage, diese Karte zu greifen.
Sie bewegen sich zu einheitlich, der Tisch droht zu kippen, wird er nicht gestützt.
Extra darunter sind deshalb weitere, größere Menschen postiert, die bewaffnet mit „der Macht des Wissens“ versuchen, versuchen sollen, den Tisch ihm Gleichgewicht zu halten.
Doch auch sie postieren sich eigenartig einseitig, als versuchten sie nicht zu stützen, sondern eher noch die  Kippbewegungen des Tisches unterstützen.

Als versuchten sie immer weiter, ihn bis kurz vor den Einsturz kippen zu lassen, um dann bereit zu stehen, die herabstürzenden Habseeligkeiten der umherirrenden, hilflosen dann gnädigerweise aufzufangen.
„V.I.P. – starke Schultern“ steht auf ihren Jacken geschrieben.

Nachdem er sich ein letztes Mal vergewissert hatte, Türen und Fenster endgültig geschlossen zu haben, lässt er dann aber auch die Zeitung, höhnisch lachend, wiederum „diese Idioten“ denkend in den Müll wandern und schwingt sich wieder auf seine, nach wie vor staubige, Couch.

Kanal zwei, Germanys next Topmodel. Eine kopflose Jury, hinter einem Pult aus Mark und Knochen, bewertend eine Horde Puppen, Kopf und Glieder austauschbar, wandelnd auf einem Schönheitsideal, dem Laufsteg, den Brettern die die Welt bedeuten, ebenfalls bestehend aus Mark und Knochen.
Bewaffnet mit blutigen Schwertern, benutzt, um sich erst selbst zu köpfen, dann die Puppen zu köpfen und selbstverständlich gütig genug jeden zu köpfen, der so schön sein soll, natürlich schön sein will, wie sie es sind.

Und noch ehe er sich’s versieht, findet er sich selber vorm Spiegel wieder, um sich zu vergewissern, gut auszusehen, wenn er die Menschen betrachtet, die existieren, nur um gut auszusehen.

Nur um  Gewissheit zu haben besser auszusehen, als die erbarmungswürdigen Gestalten, zu sehen auf den Kanälen von drei bis 3000.
Ein Empfinden von Mitleid oder ein Zweifeln an der Sinnhaftigkeit, ob der gesehenen Grausamkeiten? Null.

„Schließlich ist es das Wichtigste, gut auszusehen“, sagt er sich.

Beim weiteren zappen blickt er auf Gerichtsvollzieher, Gerichtssendungen, arme Opfer, Bauern. Auf allen Kanälen

Es bleibt ihm also nicht mal die Zeit sich zu wundern, warum die Gedanken von kopflosen ihn scheinbar mehr zu Gedanken anregen als die derer, die er selber bezeichnet als die Köpfe unserer Gesellschaft.

Denn jetzt hat er erstmal endgültig die Schnauze voll vom Fernsehen.
Was bleibt also?

Richtig, den Computer entstauben und anschmeißen, das WWW erkunden, das Tor zur Welt.

Wie in Trance sinkt er auf seinem Stuhl nieder, im kreischen des Radios, im Hintergrund das Flimmern des Fernsehers, mit dem Gefühl, die Welt zu bereisen.

Scheinbar nicht merkend, dass er nicht einmal registrieren würde, hörte sie sich auf zu drehen.

Er hört alles, Radio an, sieht alles, Fernseher an, sieht jeden, wird gesehen, Internet an.

Sieht gut aus, Spiegel geputzt, herausgeputzt. „Was will man mehr?“
Momente vergehen, Stunden, Tage, Wochen, es interessiert ihn nicht.

Als würde er mitgerissen von einer faszinierenden Lawine des Fortschritts, um die Welt rutschen und das alles ohne sich zu bewegen, so fühlt es sich an, so wunderbar, bis:

Bis er plötzlich einen Moment lang ein Gefühl von Begrabenheit zu spüren bekommt.

Als wäre es die Welt, die auf ihn einstürzt und nicht umgekehrt.

Hastig beginnt er in die Tasten zu trommeln, will seinen Freunden von seinen Sorgen  berichten, doch das Unbehagen wird noch größer, als er plötzlich das Gefühl bekommt alles und jeden gesehen zu haben, aber nix und niemanden zu kennen.

Als er für einen Moment das Gefühl bekommt, nicht nur er hätte sich vor der Welt abgeschottet, sondern auch die Welt vor ihm.
Als er plötzlich das Gefühl bekommt, der eigene Gedanke, um den Nutzen seiner Augen, könnte auch in den Köpfen seiner Mitmenschen umhergeistern.

„Was, wenn auch sie ihre Augen nur benutzen, um zu sehen, was man sieht, sieht man sie? Nicht um wirklich zu sehen?“
“Was, wenn alle“, wie er es selber tut, „ihre Ohren nur benutzen, um wegzuhören?“

„Was, wenn alle den Mund nur benutzen um zu widersprechen oder mit sich selbst zu sprechen?“

Wie er es selber tut.
Die Angst seine empfundenen Ängste mit niemandem Teilen zu können lässt ihn scheinbar völlig befreit von jeglicher Vernunft des modernen Menschen zur Couch taumeln, um den dringend bemötigten Rat in einem Buch zu suchen.

In der Hoffnung, einem anderen, bereits bekannten, älteren Rat nutzen abgewinnen zu können.

Dem Rat, die Kraft zu schöpfen aus der Ruhe.

Die Fortsetzung des Buches muss also her, Kapitel eins: „Der Anfang vom Ende“, darunter ein Bild.

Er sieht sich dort plötzlich selbst, zum Spiegel taumelnd, glänzend vor Sauberkeit.

Doch kalt. So kalt, dass man sogar auf einem Bild erkennen kann, wie der Frost jeder einzelnen Pore des Körpers entweicht.
Erschrocken schlägt er das Buch zu.

Nun also doch, er muss zu seinen Lieben. Er muss raus. „SOFORT!!“, doch als er seine suchenden Blicke durch den Raum schweifen lässt, nach ihren Bildern, einfach nur um sie zu erinnern, muss er erkennen:
Ihre Bilder sind vernagelt. Wie seine Fenster, bei dem Versuch ihre Stimmen zu erinnern erinnert er nur das kreischen des Radios.

Der Versuch den Glanz ihrer Augen zu erinnern, er endet im Blick auf kopflose Körper.

Er hetzt vor den Spiegel, „was, wenn sie mich vergessen, wie ich sie vergessen habe?“ und muss erstarren bei seinem eigenen Anblick.

Von dem er sich eben noch erhoffte, er würde ihn an Menschlichkeit erinnern.
Kopflos. Er selber, er ist bewaffnet mit einem blutigen Schwert.

Erschrocken versucht er, wegzublicken, plötzlich: Unter den Brettern, unter denen sich einst die Abbilder seiner Lieben befanden, durch seine Türen, durch seine Fenster, überall quillt plötzlich Blut in seine, so sicher geglaubten, Räumlichkeiten.
„Dasbuchdasbuch“ denkt er, glaubend, das Wissen um den Ausgang der Geschichte würde ihm einen eigenen Ausgang offenbaren.

Doch was er lesen muss lässt ihn frieren, selbst in der molligen Wärme seines Zimmers.

Lässt ihn gleichzeitig schwitzen, trotz der eisigen Kälte, die er mehr und mehr spürt, dass er sie in sich trägt.

.
Menschen, wie sie sich zermetzeln mit den Schwertern geschmiedet aus kaltem Stahl falscher Tugend.

Wie sie in den Abgrund taumeln, dorthin geschickt von kopflosen.

Wie sie in der Hitze selber angeheizter Gefechte verbrennen.
Männer, Frauen. Kinder.

Die Grausamkeit, die ihm beim Anblick der Bilder die Schauer durch den Leib fahren lässt, sie kommt ihm vor als wäre sie geschürt in Jahrtausenden des Krieges.

Doch auf allen Bildern, auf allen Uhren, die er erblickt beim Ertragen des Buches:

Gleicher Tag, gleiche Uhrzeit.
Tag sieben. Fünf vor zwölf.

Ein Blick durchs Zimmer, seine Uhr zeigt fünf vor zwölf. Er empfindet sich plötzlich als Teil einer Geschichte, in der er sich persönlich nie sah, nicht glaubte sehen zu müssen.

Aus der man glaubte zu lernen.

Von der er plötzlich nicht mehr sicher ist, ob man überhaupt das Recht hatte, sie zu schreiben.

„Das kann ich nicht zulassen“, denkt er, springt auf, um die Bretter von der Wand zu reissen, um einen Beweis zu bekommen, ein Gefühl das noch Leben existiert.

Doch keine zwei Schritte weit hört er nur einen ohrenbettäubenden Schrei:
„SETZ DICH“, nicht nur so laut wie der Donner, sondern einschlagend wie ein Blitz, er kann nicht weiter, fällt zurück, auf die verstaubte Couch, frierend, wie schockgefroren, gleichzeitig darbend, als würde er in der Hitze seines Zimmers braten.

Hypnothisiert von den rhythmischen Schreien seiner Lieben, die aus dem Radio winseln.

Wie das auf Tonträger gebannte, wahrhaftige Lied des Todes.
Er spürt, wie seine Füsse gar mitwippen in dieser Melodie des Untergangs, wie seine Augen dabei nicht mehr in der Lage sind abzuweichen von dem kopflosen im Spiegel.
Verzweifelt versucht, er noch auf das Erwachen nach einem Alptraum zu hoffen, doch das Ticken des Zeigers Richtung der vollen Stunde, das Läuten der Glocken, sie zerstreuen diese Hoffnung.
Mit letzter Kraft noch ein Blick auf das Buch, sein Ende.

Zwei Menschen, wie sie sich verabschieden.

„Bis in acht Tagen!“.

Und sich für immer voneinander abwenden.

Sich zurückziehen in ihre Zimmer.

Wie sie die Kontrolle über den Moment , das hier und jetzt aus der Hand geben.

Scheinbar versuchen, Kontrolle zu erlangen über die Zukunft.

Über die Ferne.
Dann das Schlusswort:

„Geschichte stand geschrieben,

in den Tagen eins bis sieben –
doch umgarnt von Macht:

Der Mensch hat selbst geschrieben,
die Geschichte des Tag acht –
der Tag, an dem der Teufel lacht.“

Und wieder dreht sich sein Kopf Richtung Spiegel, ohne eigenen Willen.

Jede Faser des Körpers strebt sich dagegen, so sehr das Wirbel knacken, doch er muss sich im auf ihn gerichteten Schein des letzten ihm verbliebenen, künstlichen Lichtes selbst betrachten.

Wie er langsam beginnt zu verstauben.

Wissend, man kann ihn bald nicht mehr Unterscheiden von Dingen, die verstauben wie er. Wissend, er wird sich bis ans baldige, selber verschuldete Ende der Zeit erkennen müssen. Wissend „Was hab ich getan? Was habe ich nicht getan?“

Sie werden ihn begleiten auf seinem Weg  an dieses Ende….


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