28
Okt
16

Haltet durch!

Ihr nennt Traurigkeiten Depressionen.
Glaubt, dass sie kranke bloß bewohnen.
Glaubt daran, um euch zu schonen.
Doch für Schmerz? Muss es sich lohnen!
Er kommt um richtig fett zu fressen,
er kann dort wie ein Geier kreisen
wo Gefühl ist, um’s zu stressen,
er kann sich nur in dem festbeissen,

der nicht verdrängt um zu vergessen,
er kann sich nur an dem auslassen,
der zum Verlieren was besessen –
an alle, die nicht allen passen!
Ja, er kommt, um euch zu holen,
ja, er kommt, um euch zu brechen,
ja, er wurd auch abbefohlen
von denen, die gern groß sprechen.

Die glauben sich aus schlechten Gründen.
Es muss an den gequälten liegen?
Glaubt bitte nicht, dass sie bestünden,
lasst sie nicht den Rest noch kriegen!
Glaubt bitte nicht, ihr müsst so werden!
Die Lösung sei es? Ist es nicht!
Ihr wisst es! Hier auf Erden
löst man Probleme deshalb nicht!

Lasst euch bitte nicht erzählen,
die Antwort sei bloß, euch zu heilen!
Lasst euch nicht immer weiter quälen,
wenn sie euch und sich enteilen;
der Wind verflacht, die Sterne sterben,
die Kälte löscht das Licht!
Die Finstren werden schwarz vererben!
Wo nichts flackert, brennt es nicht!

Holt den Teufel von den Wänden,
malt ihn auf die Fahnen,
stemmt sie mit den eignen Händen
über die genormten Bahnen.
Steht auf! Steht auf! Bleibt nicht liegen!
Stellt euch taub und blind!
Lasst die Tränen windwärts fliegen,
landen, wo sie sicher sind,

steht auf! Lasst euch nicht zeigen,
wie Dinge wirklich, Hasen laufen,
ja, manchmal tut’s weh zu schweigen,
noch kann man sich nichts für kaufen,
doch hört nicht auf es zu spüren,
wie die Wege in euch enden,
die uns zermürben und sie führen.
Nur mit euch kann man noch wenden.

Haltet durch! Wenn sie sich berauschen
an Problemen, Leid, und Drogen
mit dem Satz: Ich will nicht tauschen!
So wird die Angst hier weggelogen!
Ich weiß, wovon ich spreche!
Dazwischen kann es einen lähmen!
Ob ich durch- oder breche?
Soll ich stolz sein? Mich bloß schämen?

Warum lege ich mir Line um Line?
Steige mir so selbst auf’s Dach?
Durch das rauschen streut es rein:
Ich bin nicht alleine wach!
Komm wir zünden Kiffern einen Joint,
schmeißen Tänzern ein paar Pillen!
Bleibt dabei. Doch bleibt euch Freund,
gebt euch hart, doch brecht nie Willen.

Komm halt dem Fixer seine Pumpen,
der sich allein am Strich verliert,
komm wir sind dem Penner Lumpen,
der draußen so wie drinnen friert,
komm sei ein Heim für einen Alten,
halt die Haare einem Fressgestörten,
vereint in euch, was sie gespalten,
versteht einfach, was sie nie hörten,

ob in Bahnhof, Kneipe oder Schuppen!
Haltet euch gut an euch fest!
Haltet durch, um zu entpuppen –
die Zeit besorgt zur Zeit den Rest!
Schenkt, was euch die Welt genommen,
so kann’s euch keiner rauben,
ihre Zeit wird zuerst kommen,
wenn wir einfach an uns glauben!

Was nützt mir diese scharfe Klinge,
tief im Hals, an der Kehle?
Warum ich unter Schmerzen singe?
Ich glaub an diese schwarze Seele,
die sie priesternd stets verfluchen,
weil ich an Augenringen zähle:
Zeit ist alt. Muss neue suchen.
Weil ich mir sonst selber fehle.

Ich werf ins Dunkel einen Kuss,
ohne Plan, wie weit ich gehe,
ich will nur, was ich haben muss,
was ich draußen niemals sehe
zwischen grau und grellem Licht.
Wo ich sage: Mach ich! Klar!
Sie sagen gut. Und glauben’s nicht,
denn mein Blick legt es wohl dar:

Ich kann hier niemals wirklich leben.
Zum kleinmachen bin ich zu groß,
zu wirr, um nach Erfolg zu streben.
Ich geb nicht auf. Ich lasse los!
An jeden Grund mich nicht zu hassen,
der von hier längst vertrieben:
Halte durch! Du musst mich lassen!
Lass mich lernen neu zu lieben!

Komm lass es uns gemeinsam fühlen!
Komm wir sprengen diese Wand!
Komm lass dich durch mich aufwühlen!
Komm setz die Welt in unsren Sand!
Komm lass uns unsre Augen schließen!
Hier und jetzt. Was siehst du dann?
Tränenfließen? Blumensprießen?
Dann halte durch! Ich glaube dran!

 


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