09
Jan
16

Es ist okay, Papa.

Wo du auch bist, Papa, ich will dir sagen:
oft find ich keine Worte mehr.
Papa, ich bin gejagt von Fragen.
Die Sehnsucht treibt sie vor sich her.
Kannst du, Papa, kannst du es sehen?
Was mich treibt und was mich quält?
Papa, kannst du es denn verstehen,
warum ich liebe, was mir fehlt?

Papa, sahst du mich durch Straßen wanken
nach sieben Tagen ohne Schlaf?
Siehst du meinen Willen Tränen tanken,
weil ich kann, was man nicht darf?
Siehst du die Knarre mir im Mund stecken,
die mein Hirn im Raum verteilt?
Siehst du die Zunge daran lecken,
die sich gespalten daran aufgegeilt?

Siehst du mich hier am Grabe stehen,
wo die Bitte ruft von sechs Fuß tief:
„man möge nicht vorbei gehen!“ –
dort wo seine Hoffnung ihm entschlief?
Weißt du, Papa, ich will sie haben,
egal, wie tief ich graben muss –
um die Liebe, die sich hier begraben,
will ich kämpfen bis zum Schluss!

Siehst du mich, Papa, nachts hier liegen,
wie ich sie liebe? Wie es schmerzt?
Siehst du mich diese Liebe wiegen
deren Angst mich bohrend herzt?
Siehst du denn, Papa, meine Liebe,
wie sie kämpft und tut und macht?
Entgegen ihrem kalten Triebe,
der glücklich nur als Letzter lacht?

Siehst du, Papa, ich will dir sagen:
Wenn das Leben mich zerfrisst,
wenn meine Beine nicht gern tragen,
wenn ich mich frage, wer du bist…
dann seh ich mich vor’m Spiegel stehen
und glaube fast, da ist wer da!
Wo Gedanken mir verloren gehen,
kommt was Fremdes vertraut nah!

Siehst du, Papa, im Sandkasten,
da mache ich das Beste draus!
Ich füll ihn auf mit Altlasten
und baue uns darin ein Haus!
Siehst du, Papa, den Scheiterhaufen?
Durch das, was man hier Rückstand nennt,
werd bei Zeiten ich ihn anlaufen,
wohl dann, wenn es am meisten brennt,

werd ich ihn Richtung Himmel treten!
Weil es ein Puzzle regnen soll,
werd ich „NEIN!“ und „DANKE!“ beten,
wissend, man nimmt’s erst voll,
wenn’s Zeit ist, zum zusammen setzen.
Bis dahin, Papa, ehrlich – Hey!
Sollen sie mich doch verletzen.
Ach, Papa. Es ist okay!

Denn bis dahin werd ich hier im Garten,
wo man die Nachbarn wirklich kennt,
wo wir gemeinsam kämpfend einsam warten,
wo Ferne doch kein Zaun je trennt,
um’s Feuer sitzend unsrem Morgen winken!
Hier im Dunkeln find ich Ruh.
Hier kann und will ich Träume trinken
und wünschen mir, du kämst dazu –

so hab ich dieses Fenster frei gerieben.
Ach, Papa. Hörst du? Hey!
Ich kann und darf das Leben lieben!
Ach, Papa. Ist okay.

 


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