18
Dez
15

auf den hinterhufen

manchmal habe ich
das gefühl
immer dann wenn es
schmerzt
als gäbe es heutzutage
kein gedicht
das sozialkritischer
sein könnte
als das liebesgedicht

denn eigentlich sehe ich
verliebterweise
ein weißes haus
einen hellen strand
ein blaues meer
einen strahlend blauen
himmel
zwei liegestühle
zwei weiße mäntel
keine unterwäsche
zwei weingläser
zwanzig weinflaschen
ein riesenglas oliven
und vier hände
mit denen sich zwei
liebend
gerne
füttern

doch gerade als wir
unsere reise
antreten wollten
nachdem ich in
deinen augen
schon die wellen
rauschen hörte
wie das ohr
an einer muschel
begann die angst
diese mauer
zwischen uns
hochzuziehen
bis wir das ziel
aus den augen verloren

doch so anstrengend
und traurig es
auch sein mag
sich vor ihr ständig
auf die hinterhufe
stellen zu müssen
immer wenn ich es tue
und einen blick erhasche
erinnere ich mich
an das paradies
das hinter ihr liegt
und verstehe
liebe kann auch bedeuten
allein vom ankommen zu träumen
und bis dahin nie aufzuhören
mit aller gewalt
hindurch zu wollen

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