05
Sep
14

Schmerzrasen (2 – Franziska)

Eigentlich war es
ein Tag, wie jeder andere,
Silvester eben. Nur er war
merkwürdig genervt,
bis er gesagt hat
das Zeug sei einfach
zu übel,
war es ein Tag
wie jeder andere
und als er nicht aufhörte
mir zu erklären
warum
wurde es wiederum
ein Tag wie jeder andere.
So übel sei es,
die Freundin des Typen,
des Typen halt,
hat so viel genommen,
sagte er,
bis sie sich einfach
aufgelöst hat und
an ihrem eigenen Blut
in der Badewanne sitzend
innerlich daran ersoffen ist.
Und, weil ich eben noch
weiß warum
ich ihn eben noch
als einziger anflehte
die Finger von der Scheiße
zu lassen, weiß ich,
das es nicht bloß für sie bereits
zu spät war, als er lachend über sie
sagte, das Zeug sei einfach
zu übel. Der beste und
normalste Mensch, den ich
nach wie vor
als einziger kenne.

Und, weil ich eben
noch weiß, wie er lachte,
kann ich nicht aufhören mich
zu fragen, wie es wohl ist,
an seinem eigenen Blut
zu ertrinken und sich nicht
entscheiden zu können,
ob man froh sein soll,
das es endlich
zu Ende geht,
oder ob man
nicht will
das es zu Ende
gehen muss,
wenn einem bewusst wird,
wie es ist.
Das vielleicht höchstens
ein völlig Fremder
noch auf die Idee käme
länger als fünf vor zwölf
Minuten an mich zu denken.
So fremd sind wir uns
inzwischen gar nicht mehr,
die Badewanne voller Blut
und Leid und Elend und
Einsamkeit und Tränen
heißt in meinen Gedanken
inzwischen Franziska,
weil ich dieses Bild nicht
los werde, nacht für Nacht
kann ich mich nicht entscheiden.
Ob ich froh sein soll?
Wenigstens denke ich.
An wen
auch immer.
Ob ich mich schämen soll?
Wenigstens hätte ich,
etwas eher,
für wen
auch immer,
dachte ich noch gleich?
Immer wieder. Ständig.

Doch wenigstens weiß ich
heute auch Dank ihr
durch euch,
das es Sinn macht,
nach vorne zu blicken,
wenn ich verpassten Gelegenheiten
nachweinen muss,
vielleicht lerne ich so,
in der Pfütze vor mir
unterzugehen,
so kommt wenigstens
vielleicht
doch noch etwas
Mensch in mir
an neuen Ufern an.

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