Der Mensch. Unterwegs auf den Strassen des Lebens.
Egal, ob im Stadtverkehr, Landstrasse oder auf Autobahnen.
Er verfolgt, auf verschiedenen Wegen, immer das gleiche Ziel:
Die Selbstverwirklichung.
Egal, welches Fahrzeug. Der Antrieb ist immer der gleiche.
Kraft.
Sie zu tanken?
Den Weg messen, den man zurückgelegt hat.
„Wie weit bin ich gekommen?“, „werde ich ankommen?“
„Werde ich mein Ziel erreichen?, „stimmt die Geschwindigkeit, mit der ich reise?“
Belohnt sich selbst mit Bestätigung, lautet die Antwort ja.
Bestätigung. Die einzige Währung, die die Tankstellen akzeptieren am Rande der Strassen des Lebens.
Er blickt auf den Tacho. Auf den Stand des Kilometerzählers.
Um zu sehen, wie weit er gekommen ist.
„Wo bin ich?“, „bin ich richtig?“.
Blickt nach oben, zurück zur Strasse.
„So weit bin ich gekommen“, denkt er sich.
„Wie weit bin ich gekommen?“, fragt er sich.
Und wieder ist ein Moment vergangen, der gesehene Stand der Kilometer, je nach Reisegeschwindigkeit, er ist schon mehr oder weniger weit zurückliegende Vergangenheit.
Weil er sich erst dreht, wenn die Strecke bereits gefahren ist.
Verpasst ein Stück des Weges.
Will antworten mit „hier bin ich“.
Antwortet mit „hier war ich.“
Muss antworten mit „hier bin ich“, für die Bestätigung.
Um Kraft zu tanken.
Blickt über die Schulter, will selber sehen.
Muss selber sehen. Was er verpasst hat.
Verpasst wieder ein Stück des Weges.
Blick auf den Zähler.
Um zu sehen, wie viel er verpasst hat.
Verpasst immer mehr.
Die wichtigste Ressource, das Triebmittel, die Kraft, sie wird knapper.
Hat keine Bestätigung, hat nichts zum bezahlen.
Verlässt seinen Standpunkt. Das Ziel rückt in immer weitere Ferne.
Muss das Tempo drosseln.
Aus Angst, liegen zu bleiben.
Muss das Tempo drosseln.
Wird überholt.
Bleibt liegen.
Oder rast hinterher. Nicht mit dem Gefühl, richtig zu sein, die richtige Geschwindigkeit zu befolgen.
Lediglich aus Angst, die Geschwindigkeit, die Richtung der anderen sei richtiger.
Liefert sich ein Rennen. Verliert sein Ziel aus den Augen.
Will nicht mehr sein.
Will nur noch erster sein.
Verliert das Rennen.
Weil er liegen bleibt.
Verliert das Rennen.
Landet in der Leitplanke.
Hat sein Ziel aus den Augen verloren.
Wird ein Kreuz am Strassenrand.
Gewinnt das Rennen.
Landet in der Leitplanke.
Weil er verfolgt wird. Von Kreuzen am Strassenrand.
Verlieren das Ziel aus den Augen.
Liegen gebliebene. Unfälle. Tote. Staus.
„Erliege ich dem Verkehr?“
„Wird der Verkehr mir erliegen.?“
Die einzige Gewissheit? Nie Gewissheit zu haben.
Angst vorm Stillstand.
Immer weniger kommen an.
Immer mehr Angst.
Immer weniger Bestätigung.
Immer weniger Kraft.
Niemand fährt mehr los.
Stillstand.

Die immer gleiche Strecke.
Von A nach B.
Auf verschiedenen Wegen.
Der immer gleichen Richtung folgend. Richtung Selbstverwirklichung.
Immer weniger Wege.
Keine Wege?
Ausweglos?
Die Ziele? Verschwunden? Unerreichbar?

Nein.
Blickt nach vorne. Und konzentriert euch auf die Strasse.
Zählt das zurückliegende in Erfahrungen.
Erinnert euch.
Dreht euch nicht um.
Saugt ihn auf, den Weg, den ihr fahrt. Erlebt ihn.
Stellt sie euch vor, die Orte, an die er euch bringen wird, dieser Weg.
In dem ihr euch erinnert. Dabei voraus schaut.
Erwartet. Orte. Fahrt.
Erlebt Orte, die ihr nie gesehen habt. Trotzdem kennt.
Blickt nach vorne. Und konzentriert euch auf die Strasse.
Lernt die Welt kennen.
Erlebt immer mehr Orte, die ihr nie gesehen habt. Trotzdem kennt.
Lernt ihnen zu vertrauen, den Wegen auf denen ihr euch bewegt.
Erfahrung. Erwarung. Vertrauen. Erfüllung.
„Wer bin ich?“, „wo bin ich?“
„Der bist du!“, „dort bist du!“.
Bestätigung. Genügend Kraft. Mehr Erwartungen. Mehr Vertrauen.
Mehr Erfüllung.
Ihr werdet schneller, immer schneller.
Ohne Beschleunigung.
Erhöht die Geschwindigkeit.
Ohne Beschleunigung.
Erhöht die Geschwindigkeit.
Ohne zu überholen.
Kommt euren Zielen näher. Eure Ziele kommen euch näher.
Der Weg ist das Ziel.

Verliert das Ziel aus den Augen?
Angst?
Könnt euch nicht auf die Strasse konzentrieren?
Fahrt rechts ran.
Nehmt den Bus.
Lasst euch mitnehmen.
Lasst sie euch zeigen die Welt.
Lernt sie kennen die Welt.
Lernt vertrauen.
Steigt aus an Orten, die ihr nie gesehen habt. Trotzdem kennt.
Steigt aus.
Steigt ein.
Blickt nach vorne. Konzentriert euch auf die Strasse.

Was ich lernte?
Nichts.
Wer ich bin?
Ein niemand.
Was ich tue?
Hinterm Steuer sitzen. Mein Ziel verfolgen. Busse fahren.


2 Responses to “5.6 Busfahrerphilosophie”


  1. 1 Eni
    13. August 2010 um 00:11

    Auch wenns deiner Meinung nach nicht mehr ganz Zeitgemäß ist,
    für mich ists jedoch eine wunderbare Erinnerung an eine Zeit, die mitunter auch nicht immer die einfachste war ;)


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