15
Okt
14

wenn traurigkeit nur

wenn traurigkeit
nur ein vogel wäre
wie leicht fiele
uns das hoffen
wüssten wir den himmel
als nest
in dem wir
nach dem abheben
landen um anzukommen

ohne die angst
sich zu verlieren
wie die verlaufenden
tappsen im sand
vor dem kühlen nass
ohne die angst
von den wellen
im sturm
ergriffen und
irgendwo einfach
angespült zu werden

10
Okt
14

Über Wintern

Der Winter hält Einzug in kalten Straßen,
die ersten Menschen, die schon streuen,
scheinen, als ob sie die Freude vergaßen,
wenn sie sich über das Ergebnis freuen.

So verstreuen sie, was ihnen geblieben,
den salzigen Rest getrockneter Tränen,
eingesackt und aufgerieben,
verfüttern sie ans grau ihr Sehnen.

In den Fenstern flackern letzte Lichter,
als kämpften sie dagegen an,
man sieht verhangen traurige Gesichter,
wenn sie das letzte Mal erlischen dann.

Der erste Schnee, er bleibt nun liegen,
Träume, die in Flammen verdampften
die im kalten Wind tanzend zu Boden fliegen,
in dessen Frost sie erst verkrampften

und mit dem sie dann verwehen,
wenn die Schneeberge sich so hoch türmen
das kein Traum darunter mehr zu sehen,
weggefegt von Winterstürmen.

In den Schnee gestapft führen Spuren,
zu dem Rest, der von mir zu noch sehen,
meine abgezeichneten Konturen,
die mit jeder Flocke mehr vergehen.

Ich höre über mir die Stimmen stammeln,
doch keiner braucht sich Hoffnung machen,
keine falsche – Hoffnung war alles, was ich hatte,
und ich werde mit ihr aufwachen,

oder unter ihr einschlafen,
und ich werde mit ihr liegen bleiben,
weil sie mir blieb, als sie mich trafen,
werde ich’s mit ihr zum Ende treiben,

denn, siehst du nicht? in der weißen Weste
verbindet sie sich mit dunklen Rändern
unter blauen Augen tief zum Reste,
der es möglich machte, was zu ändern,

so komm in kalte Laken! Komm! Wir frieren!
Wenn wir uns aufheizen und drinne wälzen,
bis wir uns in der Schneedecke verlieren,
zeugen wir den Frühling noch,
gemeinsam im dahinschmelzen.

10
Okt
14

hauchdünn

Am Fenster höre ich Regen prasseln,
er geht in ganzen Strömen nieder,
übertönt Ketten- und Säbelrasseln
und die immer gleichen Lieder.

Eigentlich ein Tag, wie immer,
irgend etwas liegt in der Luft
irgendwie scheint etwas etwas schlimmer,
zwischen Naturgestank und Abgasduft.

Nur ich frage mich, wo ich bleibe,
werde ich noch Heim kommen?
Mein schwerer Kopf lehnt an der Scheibe
und hofft, er kriegt den Zug genommen.

Hinter mir höre ich was knallen,
vielleicht ist in mir was zerbrochen,
bevor die Tür ins Schloss gefallen,
hab ich den Braten nie gerochen.

Vielleicht hat sich etwas fortgestohlen,
um zu gucken, wo die Trümmer liegen,
um die weit versprengten heimzuholen,
ich wüsst nicht, wo sie herumfliegen.

Dort seh ich sie im Gleichschritt schreiten,
direkt gen Ende, als stünden sie dazwischen
Menschen mit bewaffneten Spezialeinheiten,
als ob sie schießen, ohne mitzumischen.

Ob mir meine eigne Zeit je kostbar war?
Ich stehe bestimmt schon länger hier,
hab keine Ahnung, welches Jahr,
doch ich denke mal, es ist halb vier

und wenigstens habe ich, wie mir scheint,
als man sagte, nimm dich nicht so wichtig,
doch verstanden, was man meint,
nicht genau wie, wohl dafür so richtig.

Gerade summ ich eines meiner Lieder,
da erscheint, wie hinter der Scheibe gefangen,
etwas und schlägt sich auf ihr hauchdünn nieder,
das mir flüstert: Deine Chance ist bald vergangen.

07
Okt
14

Wenn der Hahn erst danach kräht

Während die Welt mit Fingern zeigt,
nach denen sucht, die sie gemacht,
merkt sie nicht, der Druck, er steigt
von innen her – unbedacht
bleibt, junge Menschen detonieren,
wenn sie sich berühren,
wie Chemikalien, die sich kombinieren,
um zur Explosion zu führen.

Sie seh’n den Wahn um sich greifen,
sagen sich „so werd ich nie!“,
sie lassen sich den Scheitel schleifen
und merken es nicht, wie
die eigne Hand zum Abzug geht,
der kalte Stahl zur Schläfe -
leer ist, wer nicht mehr versteht,
warum er fürchtet, das man träfe,

sie lernen sich nicht mehr kennen
die sich einst Freunde nannten,
können gemeinsam Enden nennen,
bevor sie je den Anfang kannten -
aus leeren Worten, Treueschwüren,
wird die Angst, sich nie zu finden,
weil leere Worte dazu führen,
mit dem Menschen zu verschwinden.

So wird aus Liebe, nicht zu fassen,
weil sie nirgends Hoffung finden,
der Versuch, sich nicht zu hassen
und der Zwang, sich fest zu binden,
so werden junge Opfer später Täter,
und junge Täter werden später
so viel zu oft zum (Selbst)Verräter
und, zur Not, Familienväter

und wenn der Mensch so weiter macht,
wird es sich Morgen nicht mehr regen,
muss sich das junge Leben, heute Nacht,
so wie es ist selbst schlafen legen.

06
Okt
14

Irgendwo im Nirgendwo

Schau mich nicht so traurig an!
Das ist oft alles, was ich sehe,
wenn ich ganz alleine dann
neben mir dort stehe.

So ist das halt, in diesem Leben!
Kein Mensch lebt ohne Schmerzen!
Ich höre mich die Antwort geben,
doch versteh sie nicht im Herzen.

Was ich denke, frag mich nicht,
nichts als Fragen werden klar,
dazu führt wohl freie Sicht,
sie macht „unfassbar“ wirklich wahr.

Vor uns? Liegt ein Abgrund brach,
als ob’s ein neuer Anfang wär,
jagt der Mensch dem Absturz nach,
dem eignen Ende hinterher.

Wir stehen dort, vor den Klippen,
mit zu viel in den Venen
und zu wenig auf den Rippen
sehne ich mich, mich zu sehnen,

denn die Dinge nehmen ihren lauf
und nah geh’n nur noch Wände,
geht’s für den einen dort bergauf,
wo der andre geht zu Ende.

Ich höre nur noch Echos schallen,
seh die Sonne, die mich blendet,
zu der ich hoffe, hoch zu fallen,
wenn sie sich an mich wendet.

Was willst du mehr? Mehr als Rest,
mehr wird es hier nicht geben,
als diesen Rest, der hoffen lässt,
das wir nicht ins Nichts streben,

wo die einen hungern, andre erben,
da irgendwo! Muss es ihn geben,
einen Grund, für den es lohnt, zu sterben,
denn ich bin bereit, für ihn zu leben.

28
Sep
14

Echt der Wahnsinn

Manchem steht die Welt wohl offen,
wenn er in die Zukunft schaut,
andren bleibt nicht mal zu hoffen,
für die Kinderpsychatrien erbaut.

Die Menschheit ist’s, die nicht kapiert,
ihre Lösung ist bloß Nachspeise,
was man sich selbst zu kalt serviert,
gibt es nur zum höchsten Preise.

Kein Kind braucht sich je zu schämen,
man hilft nur nach, normal zu sein,
deshalb leben sie in Quarantänen,
deshalb sperrt man sie halt ein

und gibt Pillen, gleich in allen Farben,
doch, das junge Blut, es quillt
so lange aus den Seelennarben,
bis man ihren Durst nach Liebe stillt.

26
Sep
14

Kannst du mir noch folgen?

Vor mir läuft es aus dem Hafen,
mit dem letzten Wind im Segel,
den man durchatmet beim Schlafen,
niedrig steht der Traumpegel,

ich jagte so gern hinterher,
doch die Kehle ist zu trocken,
um zu schreien, du fehlst mir sehr
und mach dich auf die Socken,

am grauen Strand dunkler Gassen
erwarte ich die finstre Nacht
und würde mich wohl fallen lassen,
wenn ich nicht zu müde wär,

um noch friedlich einzuschlafen,
so sitz ich wach und sehe zu,
aus dem Ruder, aus dem Hafen
und Stille lässt mir keine Ruh,

wo sich bald kein Wort mehr findet,
da bleibe ich alleine hocken,
während es am Horizont verschwindet,
um nirgendwo anzudocken,

keinen Hunger mehr, um reinzupressen,
womit sie selbst die Haare spalten,
die sie sich von Köpfen fressen,
sie sollten es für sich behalten,

doch ich bin zu laut, um aufzuzeigen,
ich kann es nicht mehr hören,
wie gerne hörte ich mich schweigen,
doch der Lärm lässt sich nicht stören,

so sehe ich sie vor mir planschen
und höre sie noch kreischen,
wenn sie den Rest im Sand vermanschen
und was Wurst ist, das zerfleischen

und hinter diesen weißen Schneisen
der Pulverberge liegt mein Willen,
macht sich bereit, abzureisen
ohne mich und ganz im Stillen

flüstert was, könnt ich schwören
und pocht darauf, es rauszuhusten,
aus meiner Brust kann ich was hören,
das fleht mich an, es anzupusten.




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Bedeutet im Klartext: Teilen? Jederzeit! Zerteilen? Kein Stück! Alles, was hier an Texten erscheint, ist geschrieben ohne kommerziellen Hintergrund und in diesem soll es auch bleiben.
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